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Ursula Thiemer-Sachse verstorben

Ursula Thiemer-Sachse, geboren am 20.5.1941 in Berlin, ist am 29.1.2026 verstorben.

Sie war von 1993 bis 2006 Professorin für Altamerikanistik am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin. Sie war eine der ersten Professorinnen aus der DDR, die an eine Universität in der Bundesrepublik Deutschland berufen wurde. 

In ihrer Lehre und Forschung fokussierte sie sich auf die prähispanischen Kulturen Mesoamerikas und Zentralamerikas. Sie beschäftigte sich mit Mythologie und Ikonografie sowie der Wissenschaftsgeschichte historischer indigener Gesellschaften. Insbesondere wurde sie für ihre ethnologische und ethnohistorische Forschung zum mexikanischen Oaxaca bekannt. Sie war Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte sowie der Gesellschaft für Ethnographie. Zudem gehörte sie zum wissenschaftlichen Beirat der Ethnographischen-Archäologischen Zeitschrift.

Ursula Thiemer-Sachse studierte von 1959 bis 1963 Völkerkunde, Deutsche Volkskunde und Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin als Schülerin der Amerikas-Ethnologin Ursula Schlenther (1919–1979). Anschließend arbeitete sie von 1963 bis 1989 als wissenschaftliche Aspirantin, Assistentin, Oberassistentin und Hochschuldozentin sowie als Honorarprofessorin in einem Fach, das ab Ende der 1960er Jahre „Indianische Kulturen und Sprachen Lateinamerikas” an der 1968 eingerichteten Sektion Lateinamerikawissenschaften (zuvor Lateinamerika-Institut) der Universität Rostock heißen sollte. Im selben Jahr promovierte sie zum Thema „Beiträge deutscher Gelehrter zur Erforschung der altmexikanischen Kulturen und der zeitgenössischen Indianerproblematik. Untersuchung zur Entwicklung des bürgerlichen deutschen Mexiko-Bildes von der Entdeckung Mexikos bis zum Ende des 19. Jahrhunderts“. Insbesondere die Auseinandersetzung mit Alexander von Humboldt in diesem Rahmen führte zu ihrem internationalen Durchbruch, vor allem auch in Mexiko. 1984 habilitierte sie sich zum Thema „Die sozialökonomischen Verhältnisse bei den Zapoteca zur Zeit der spanischen Eroberung Mexikos. Ein Beitrag zur Untersuchung der ersten klassengesellschaftlichen Formation in Amerika“. Mit dieser Arbeit bereicherte Ursula Thiemer-Sachse aus altamerikanistischer Perspektive die für die Geschichtsschreibung in der DDR grundlegende Debatte über die Periodisierung der Weltgeschichte, die bis 1989 geführt wurde. Im gleichen Jahr wurde sie zur Leiterin der Abteilung Altamerika am Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR berufen worden, eine Position, die sie bis zur Auflösung des Instituts im Jahr 1992 innehatte. 

Ursula Thiemer-Sache war eine in Deutschland und international renommierte und hoch geachtete Wissenschaftlerin, die die Themen der altamerikanischen Geschichte und Kulturen weit über die Akademie hinaus bekannt machte. In der gesamtdeutschen Wissenschaftslandschaft setzte sie sich aktiv für den Erhalt des Fachs Altamerikanistik ein, unter anderem an der Universität Bonn. Zudem war sie eine außergewöhnliche Mentorin, die zahlreiche Studierende und Promovierende der Altamerikanistik gefördert und begleitet hat. Auch nach ihrer Emeritierung im Jahr 2006 blieb sie wissenschaftlich aktiv und war vielen ihrer ehemaligen Schüler*innen eine einfühlsame Betreuerin.

Wir bleiben ihr als Kollegin in großer Dankbarkeit verbunden und werden ihr Andenken bewahren. Ihrer Familie und ihren Angehörigen gilt unser tiefes Beileid.

Traueranzeige des Lateinamerika-Instituts der Freien Universität Berlin und die Abteilung für Altamerikanistik der Universtät Bonn