Zum Hauptinhalt springen

logo laa

toolbar bg

Zum 100. Geburtstag von Autran Dourado

Valdomir Freitas Autran Dourado wurde am 18. Januar 1926 in Patos de Minas im Bundesstaat Minas Gerais geboren. Er erlebte noch die letzten Jahre der Vargas-Ära, die ihn mit der Opposition junger Intellektueller zusammenbrachte. Nach seinerm Jurastudium in Belo Horizonte arbeitete er mehrere Jahre als Journalist. Dourado wurde Mitglied im Kabinett von J. Kubitscheck in dessen Regierungszeit als Gouverneur in Minas Gereis und war Privatsekretär und Pressereferent Kubitschecks während dessen Amtszeit als Präsident von Brasilen (1955-1961). 
Dourado OperNeben seiner Tätigkeit als Journalist und Anwalt schrieb er Erzählungen, Romane und Essays und unterrichete an der Universität in Rio de Janeiro. „War sein Frühwerk von offener Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen gezeichnet, so verwandelt sich im Spätwerk die Kritik in eine Anklage des menschlichen Charakteres ... [das] bedeutet keineswegs, daß politische Themen ausgegrenzt werden.“ (Ellen Spielmann) Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter Brasiliens Goethe-Preis im Jahre 1982 und 2000 erhielt er den renommierten Prémio Camões, den wichtigsten Literaturpreis der portugiesischsprachigen Welt. 
Von seinen vielen Werken sind in deutscher Übersetzung nur drei Prosaarbeiten erschienen: 1964 der Roman „Brandung“ (A barca dos homens.1961), der 1988 als Taschenbuch unter Titel „Das Schiff der Menschen“ veröffentlicht wurde. 
Der Roman spielt auf der kleinen Insel Boa Vista vor der brasilianischen Küste. Einen Tag und eine Nacht lang versetzt die Nachricht, ein Irrer habe einen Revolver gestohlen, die Bewohner der Insel in einen Zu­stand der Angst und Bedrohung. Sie erleben eine Ausnahmesituation: eine Ehe zerbricht, Gefangenen ge­lingt die Flucht, ein Priester verliert seinen Glauben. Ein spannender Roman über die Verführbarkeit der Menschen.
In dem 1967 übersetzten unsentimentalen kleinen Roman „Ein Leben im Verborgenen“ [TB 1988] (Uma vida em segredo.1964). wird die Geschichte von Biela erzählt, einer unscheinbaren und linkischen Waisen, die von ihrem Onkel aus dem Hinterland in eine brasilia­ni­sche Kleinstadt geholt wird. Alle Versuche, sie dort an städ­tische Lebensformen zu gewöhnen, scheitern. „Sie fühlte sich nichtig, ein schmutziger Lumpen, ein vermodertes Stück Holz, das der Fluss fortträgt.“
Erst 1986 erschien die deutsche Übersetzung des Romans Ópera dos mortos von 1976. Oper der Toten” spielt in einem kleinen Dorf im Hinterland von Minas Gerais. Protagonistin ist die 30jährige Enkelin Rosalina, Tochter von Oberst Honorio Cota. In ihr ist der Geist der beiden vorangegangenen Generationen von Großgrundbesitzern lebendig und verhindert ein eigenbestimmtes Leben. José Feliciano, ein Tagelöhner und Herumtreiber, bringt die schon brüchige Ordnung ins Wanken, als er im Herrenhaus eine Anstellung findet und mit Rosalina eine Liebschaft beginnt. Der Roman ist (auch) eine Allegorie auf das langandauernde Absterben der feudalen Ordnung in Brasilien.
Autran Dourado starb am 30. September 2012 in Rio de Janeiro
Seine ins Deutsche übersetzten Romane sind nur noch antiquarisch lieferbar.