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Buchkunst und lateinamerikanische Literatur – eine Begegnung


Künstlerbücher aus der Sammlung Klaus Küpper

Ausstellung vom 11. Mai bis zum 23. Juni 2024

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln 
(Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln, Eingang Filmforum)
Öffnungszeiten: Di-Do 10-21.00 Uhr, Fr-So 10-18.00 Uhr, Mo 14-21.00 Uhr

Die Ausstellung zeigt Buchkunstobjekte aus der Sammlung von Klaus Küpper, die ein Ergebnis seiner über 40 Jahre andauernden Beschäftigung mit der Literatur aus Lateinamerika ist.Sein Archiv für übersetzte Literatur aus Lateinamerika und der Karibik sammelt und bibliographiert seit Anfang der achtziger Jahre alle ins Deutsche übersetzten literarischen Zeugnisse aus dem genannten Kulturraum.
Die Informationen zu Neuerscheinungen auf diesem Gebiet sind seit einigen Jahren auf dieser Webseite einzusehen.  
Außer den oft nur unzureichend wahrgenommenen oder von öffentlichen Institutionen nicht systematisch gesammelten übersetzten Zeugnissen in Anthologien und Zeitschriften gehörten Buchkunstausgaben von Anfang an zum Sammelgebiet des Archivs. 
Auch wenn hier keine Vollständigkeit angestrebt wurde - und auch durch eine Vielzahl von Unikaten nicht realisiert werden könnte, hat die Sammlung von Buchkunstobjekten (im weitesten Sinne) einen erstaunlichen Umfang angenommen, und eine große Auswahl kann in dieser Ausstellung vorgestellt werden. 
Nun gibt es keine allgemein verbindliche Aussage, was unter einer Buchkunstausgabe, einem Künstlerbuch oder einem Buchkunstobjekt zu verstehen ist. Die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen, die in dieser Ausstellung präsentiert wird, macht dies offensichtlich. Sie reichen vom illustrierten Buch mit Zeichnungen, Radierungen, Holz- und Linolschnitten, Lithografien, Siebdrucken, Filmschabekunst, bearbeiteten Fotografien, Malereien, typografisch gestalteten Texten, zu außergewöhnlichen Einbänden und Schubern, zu einer besonderen, den Text interpretierenden Buchgestaltung, der Verwendung von Leporellos, Collagen und anderes mehr. Der Verwendung von außergewöhnlichen Materialien sind, besonders bei den Einbänden, keine Grenzen gesetzt.
Die „Entdeckung“ der Literatur aus Lateinamerika im deutschsprachigen Raum vor ca. 50 Jahren mit ihren neuartigen Formen und Inhalten hat viele Akteure im weiten Feld der Buchkunst inspiriert. 
Vor allem die übersetzte Lyrik – hier nimmt Pablo Neruda eine herausragende Stellung ein – erhält unter den gezeigten Objekten einen breiten Raum. Prosatexte von Jorge Luis Borges bis Gabriel García Márquez, Essays und literarische Beschreibungen des Kontinents mit seiner Flora und Fauna waren ebenso anregende Texte für die Buchkunst wie das weite Feld der präkolumbianischen Märchen, Legenden und imaginären Wesen. 
Die typografisch gestalteten Objekte – angeregt nicht zuletzt durch die Ode an die Typografie von Pablo Neruda – sind in einer eigenen Vitrine ausgestellt.
Die Ausstellung bietet ein buntes Kaleidoskop von Objekten, die nur im beschränkten Umfang in den Vitrinen anhand einer thematischen Gliederung präsentiert werden konnten. Es können jedoch einige Objekte vollständig digitalisiert am Monitor betrachtet werden. 
Dazu gehört u. a. die Horacio Quirogas Geschichte vom Krieg der Kaimane, die Rolf Lock mit Collage, aufgekklebten Figuren und Kalligraphie gestaltet hat. 
Gisela Mott-Dreizler hat die wunderbare Sage von den lebenslustigen Hexern auf dem Meer des Südens, die uns Eduardo Galeano überliefert hat, in einem insgesamt sechs Meter langen farbigen Leporello lebendig werden lassen. 
Tita do Rêgo Silva erzählt uns die Amtseinführung des Räuberhauptmanns Lampião in der Hölle in dem von ihr gestalteten Buch mit 12 wunderschönen Farbholzschnitten und zahlreichen Vignetten.
Ulrike Jänichen illustriert mit originellen Holzschnitten den alten Herrn mit den riesengroßen Flügeln, von dem uns Gabriel García Márquez in seiner Erzählung berichtet hat, bei seinen Flugversuchen, um aus dem Dorf an der Karibikküste zu entfliehen.
Klaus Detjen hat eine eigene Vorstellung von der Bibliothek von Babel, die uns Jorge Luis Borges vermittelt hat.
Die „Begegnung“ von literarischer und bildender Kunst, die sich in den Exponaten manifestiert, wird manche Besucherinnen und Besucher überraschen, erstaunen, vielleicht sogar empören, wenn sie diese mit den ihnen bekannten und geliebten Gedichten oder Erzählungen wiederentdecken. Andere Objekte werden dazu anregen, den einen oder anderen bisher unbekannten Text kennenzulernen. Aber die meisten werden die Augenlust genießen, die ihnen viele der Objekte vermitteln. 
Zum Neugierigwerden ist hier eine kleine „Begegnungsliste“ vorgestellt, in der außer den etablierten Vertreterinnen und Vertretern der Buchkunst auch jüngere Absolventen aus den Kunsthochschulen mit ihren Abschlußarbeiten vertreten sind.

Gertrud Boernieck + Pablo Neruda | Marty Brito + Violetta Parra | Elisabeth Broel + Ernesto Cardenal | Anne Büssow + Danilo Rivera | Artur Dieckhoff + Jorge Luis Borges | Eckhard Froeschlin + Pablo Antonio Cuadra | HAP Grieshaber + Pablo Neruda | Hansen-Bahia + Castro Alves | Susann Hoch + Samuel Feijóo | Irmtraud Klug-Berninger + Octavio Paz | Dieter Masuhr + Gonzalo Rojas | Franziska Neubert + Julio Cortázar | Susanne Nickel + Ana Mariá Rodas | Gisela Oberbeck + Pablo Neruda | Alfred Pohl + Winston Orrillo | Eduard Prüssen + Pablo Neruda | Dieter Sdun + Pablo Neruda | Tita do Rêgo Silva + Jorge Amado |  Cy Twombly + Octavio Paz | Antje Wichtrey + Pablo Neruda | Brigitte und Hans-Peter Willberg + Leopoldo Lugones

Zur Ausstellung gibt es einen kleinen Begleiter, der weitere Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern, ihren Objekten sowie den Autoren und Autorinnen und ihren Texten vermittelt.