Aktuelles

Federmair PigliaFedermair, Leopold: Wer war Emilio Renzi?
Eine Spurensuche mit Ricardo Piglia.
Wien: Klever Verlag, 2020. 247 S., englbr., 24,00 €.
978-3-903110-62-5

Piglia hat Renzis Tagebücher ab 1957 nur mit wenigen Unterbrechungen, die größeren Reisen entsprechen, publiziert. So gut wie alle Eintragungen sind in Buenos Aires entstanden, in der Hauptstadt oder in der Provinz, in La Plata, Mar del Plata, Adrogué, wo das Haus von Renzis (und Piglias) Kindheit stand.
Diese fünfundzwanzigjährige Folge von Aufzeichnungen endet 1982, ungefähr gleichzeitig mit dem Ende der Herrschaft der Militärs, denen nach der Niederlage im Falkland-Krieg alle Felle davonschwammen. (...)
Bei der Lektüre von Renzis Tagebüchern hat man gegen Ende der Serie 1957-1982 mehrmals den Eindruck, die tägliche Realität der Diktatur sei der Grund, weshalb die Eintragungen spärlicher, lückenhafter werden und schließlich abbrechen.
Da er nicht nur mit Überwachung, sondern auch mit Razzien rechnen muß, ist es geboten, bestimmte Namen und Orte nicht zu nennen bzw. zu verschlüsseln.
„Ich schreibe immer weniger in diesen Tagebüchern, weil ich – paradoxerweise – fürchte, daß sie gelesen werden“ (Eintrag am 29. Mai 1981).
In seiner Nachbemerkung zu den Tagebüchern aus der Zeit der Diktatur, die zugleich als Vorbemerkung für das noch Folgende dient, fragt sich Piglia, ob es ein Ende gab: „Había un final?
Von einer schweren Nervenkrankheit gezeichnet, widmete sich Ricardo Piglia, einer der wichtigsten Autoren Argentiniens nach dem Zweiten Weltkrieg, am Ende seines Lebens der Herausgabe seiner bisher unveröffentlichten Tagebücher, die er im Alter von sechzehn Jahren begonnen hatte.
Leopold Federmair – als Übersetzer von Piglias Büchern für die Rezeption im deutschsprachigen Raum (Verlag Klaus Wagenbach) mitverantwortlich – begibt sich auf die Spuren des jungen Piglia bzw. dessen Alter Ego Emilio Renzi und unternimmt über seine Lektüre der Tagebücher eine Einführung in Piglias Werk.
Ausgehend von Piglias Strategien der „Selbstverfremdung“, beleuchtet er Figuren der Fiktion (der Terrorist, Ganove, Kommissar, Verschwundene ...), um am Ende die Frage zu beantworten: Ricardo Piglia, ein Autor des 21. Jahrhunderts?
(Verlagsinformation)

Ricardo Piglia (1941-2017), nahe Buenos Aires geboren, gehört zu den bekanntesten Autoren Argentiniens. Als 16-Jähriger begann er, ein als Lebenswerk angelegtes Tagebuch zu führen, das bis zu seinem Tode auf 327 Hefte anwuchs. An den amerikanischen Universitäten Princeton und Harvard lehrte Ricardo Piglia Literatur und Film, von der Universidad de Buenos Aires wurde er zum Ehrenprofessor ernannt.
Leopold Federmair, geb. 1957 in Oberösterreich, ist ein seit 2006 in Japan lebender Schriftsteller und literarischer Übersetzer. 2012 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzungen. Im Klever Verlag erschien zuletzt: Musils langer Schatten (2016).

Wir benutzen Cookies
Lateinamerkiaarchiv.de benutzt Cookies auf der Website. Diese sind rein technisch und essenziell für den Betrieb der Seite, es werden keine Tracking Cookies verwendet und Ihr Surfverhalten auf unseren Seiten wird nicht ausgewertet. Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.