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munduruku LegendenMunduruku, Daniel: Indianerlegenden aus Brasilien
Aus dem Portugiesischen von Eloide Kilp und Thomas Kadereit.
Mit Illustr. von Johannes Hofer-Bindeus.
Berlin/Tübingen: Verlag Hans Schiler, 2015. 80 S., Illustr., br., 10,00 €.
O: Contos Indígenas Brasileiros.
978-3-89930-426-8

Acht Geschichten von einer ungewöhnlichen Tonart versammelt dieser schmale Band und öffnet damit ein Fenster zu einer im europäischen Raum wenig bekannten Welt der Mythen, die Einblick geben in das Universum indianischer Weisheit. Dem Leser wird mit dieser Übersetzung brasilianischer Indianerlegenden eine exotisch anmutende Fabelwelt vor Augen geführt, die zu den tiefsten Wurzeln brasilianischer Kulturgeschichte gehört – so wie die Märchenwelt der Gebrüder Grimm für den deutschsprachigen Raum. Die Legenden erzählen, wie die Menschen aus dem Inneren der Erde an ihre Oberfläche gelangten, wie das Feuer zu den Menschen kam, wie Tag und Nacht entstanden. Sie begründen den Ursprung von Licht und Schatten, die Ordnung der Dinge und der natürlichen Abläufe; der Regeln der Natur, die den Rahmen unserer Existenz definieren. Bilder von Waldgeistern und Hexen erwecken diese Mythen, die Erklärungen für Naturphänomene liefern und das menschliche Dasein mit seinen positiven wie negativen (menschlichen) Eigenschaften spiegeln. Der Tod wird darin selbstverständlich als Teil des Lebens einbezogen.
Daniel Munduruku hat für seine - im Original u.a. für den Schulunterricht gedachte – Sammlung Mythen verschiedener brasilianischer Stämme wie den Munduruku, Guarani, Nambikwara, Karajá, Terena, Kaingang, Tukano und Taulipang-Indianern ausgewählt, um die große Vielfalt und den kulturellen Reichtum zu zeigen, die von Brasiliens traditionellen Völkern durch mündliche Überlieferung bewahrt wurde. Zu jeder Geschichte erhält der Leser Angaben zu Volk, Sprache, Sprachfamilie, Sprachstamm und Bevölkerungszahl. Durch die Übersetzung hindurch klingt die einfache und doch ausdrucksstarke indianische Erzählweise, die durch unerwartetes Wechseln zwischen Vergangenheit und Präsens, Wiederholungen und dem bisweilen ungewöhnlich erscheinenden strukturellen Aufbau der Geschichten eine Vorstellung von indianischen Spracheigenschaften und Erzähltraditionen vermitteln.
Mundurukus Buch hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck und macht – vielleicht gerade durch ihr zurückhaltendes Auftreten – bewusst, wie wenig über diese Kulturen allgemein bekannt ist. Mit jeder der Legenden erhält der Leser ein Puzzlestück vom Erzähler, und damit die unausgesprochene Aufgabe, einen Platz dafür im Puzzle seiner eigenen Weltanschauung zu finden.
Begleitet werden die Geschichten von detailgetreuen Zeichnungen in Schwarz und Weiß, die Elemente aus den Geschichten illustrieren.
Mit einem Vorwort des Autors und einem Glossar, in dem viele der indianischen Begriffe erläutert werden.
Johanna Klute, Bücher zu Lateinamerika

Daniel Munduruku Monteiro Costa, geboren am 28.2.1964 in Belém/Pará, ist einer der wichtigsten und der im Ausland bekannteste brasilianische Schriftsteller indigener Herkunft. Er hat Philosophie, Geschichte, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und arbeitet als Lehrer und ist federführend an vielen Organisationen beteiligt, die sich um die Kultur und Literatur der Indigenen Brasiliens bemühen.
Munduruku hat bis jetzt über 50 Bücher veröffentlicht. Viele davon sind im Bereich Kinder- und Jugendliteratur angesiedelt. Er sammelt die alten Mythen der indigenen Völker und beschreibt ihr Leben.

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