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Glissant WeltbeziehungGlissant, Édouard: Die Philosophie der Weltbeziehung
Eine Poesie in der Weite.
Aus dem Französischen übersetzt von Beate Thill.
Heidelberg: Das Wunderhorn, 2021. 131 S., englbr., 20,00 €.
978-3-88423-661-1

Den derzeitigen Weltzustand erleben wir zunehmend als Chaos. Wie die Menschen damit umgehen können, ist eine der zentralen Fragen unserer heutigen Existenz. Sie wird über die Zukunft unseres Planeten entscheiden. Auch die weltumspannende Corona-Pandemie führt uns das in aller Deutlichkeit vor Augen.
Der Dichter und Philosoph Édouard Glissant (1928–2011) ist spätestens nach der Veröffentlichung seines Buchs Zersplitterte Welten (Le Discours antillais) einer der großen Theoretiker der globalisierten Welt. Ein ebenso bahnbrechendes Werk ist seine 2009 erschienene und nun erstmals auf Deutsch vorgelegte Philosophie der Weltbeziehung (Philosophie de la Relation). Hier entfaltet er seine Vorstellungen von der »Einen Welt«, die sich der Gleichheit bewusst ist. Sein Blick gilt der Schönheit der Welt, somit auch der Gefährdung der Natur. Der Bogen, den der Einzelne von seinem Ort zur Welt schlägt, stiftet eine »kosmische Intimität« zunächst in der Sprache - daher die große Bedeutung der Poesie für Glissants Vision. Eine konkrete, anschauliche und poetische Abrundung seines Denkens.
Seit den 1980er Jahren befasst sich Édouard Glissant mit dem Zusammenwachsen der Welt und dem Zusammenprall der Kulturen. Im Prozess der »Kreolisierung« sieht er auch eine Chance für die gleichberechtigte Einbeziehung ehemals kolonialisierter Völker und Erdteile. Kreolisierung – ein von Glissant geprägter Begriff, der die durch große Migrationen und das Menschheitsverbrechen der Sklaverei erfolgte Vermischung der Kulturen beschreibt – ist ein gewichtiges Argument gegen die zum Scheitern verurteilten gegenwärtigen Bestrebungen nach einem »alten« Zustand der Welt, mit einem »alten Europa«, das von sauber getrennten Nationen im ethnischen Reinzustand bewohnt wird. (Verlagsinformation)

Beate Thill, geb. 1952 in Baden-Baden, wuchs zweisprachig deutsch-französisch auf. Seit 1983 ist sie freischaffende literarische Übersetzerin der Sprachen Englisch und Französisch, mit dem Schwerpunkt Literatur aus Afrika und der Karibik. Daneben arbeitet sie als Dolmetscherin bei Filmfestivals, Funk und Fernsehen und verfasst Texte zur Übersetzungstheorie. Sie ist Übersetzerin von Assia Djebar (Friedenspreis 2000) und des kongolesischen Lyrikers Tchicaya U Tam´si. Sie entdeckte den Romanautor, Dichter und Kulturkritiker Edouard Glissant für den deutschen Buchmarkt und hat seine Werke übersetzt sowie eine Anthologie seiner Gedichte herausgegeben und übersetzt. Für die Übersetzung von Laferrières Roman „Das Rätsel der Rückkehr“ wurde sie 2014 mit dem Internationalen Literaturpreis vom Haus der Kulturen der Welt ausgezeichnet. Beate Thill lebt in Freiburg.

Der Autor:

GlissantFreiburg-klÉdouard Glissant wurde am 21.9.1928 in Bezaudin/Martinique geboren.
Er war Schüler von Aimé Césaire, studierte in Paris wo er zeitweise Mitarbeiter der UNESCO war.
Glissant schrieb Essays, Lyrik und Prosa und lehrte an der City University New York.
Er lebte abwechselnd in Maritinique, Paris und New York.
Viele seiner Werke (Romane, Essays und Gedichte) liegen auch in Deutsch vor (s. Bücher zu Lateinamerika 2002/03 und 2005/06).
Édouard Glissant starb am 3.2.2011 in Paris.
(Foto: © Manfred Metzner)

Titel:

[Notebook]
Das magnetische Land
Brief an Barack Obama

Die Philosophie der Weltbeziehung

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