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DiBenedetto ZamaDi Benedetto, Antonio: Zama wartet
Roman. Aus dem argentinischen Spanisch von Maria Bamberg.
Mit einem Nachwort von J.M. Coetzee, übrsetzt von Linus Guggenberger.
Berlin: Wagenbach, 2021. 254 S., englbr., 22,00 €. 
O: Zama. Buenos Aires 1956.
978-3-8031-3333-5
Außer den in Anthologien verstreut zu findenden Erzählungen waren von Di Benedetto nur der jetzt mit einem neuen Nachwort wieder aufgelegte Roman Zama und der Kurzroman El silencio ins Deutsche übersetzt (Stille, Frankfurt a. M. 1968) worden. Auch in seinem Heimatland begann man erst in den 90er Jahren sein Werk wieder neu aufzulegen.
Der Roman spielt im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts im damaligen Vizekönigreich Rio de la Plata. Der Protagonist und Ich-Erzähler ist Diego de Zama, ein Kreole, also ein in „Amerika“ geborener Spanier. De Zama ist Kolonialbeamter und arbeitet als Justiziar in der damaligen Hauptstadt Asunción im heutigen Paraguay. Sein größter Wunsch ist die Versetzung nach Buenos Aires um damit wieder mit seiner Familie zusammen zu kommen, die in Mendoza lebt. Und Zama wartet. Er wartet auf die Beförderung, auf die immer unregelmäßiger kommenden Gehaltszahlungen, er wartet voller Hoffnung am Hafen auf das Schiff mit der Nachricht von seiner Beförderung und Versetzung. Doch alles Warten ist vergeblich und wird zudem mehr und mehr begleitet von seinem allmählichen finanziellen und gesellschaftlichen Niedergang. Er läßt sich mit einer Mulattin ein, muß sein Pferd verkaufen, in eine billigere Wohnung umziehen. Die immer erbärmlicher werdende Situation spiegelt sich in seinen Petitionen an den königlichen Hof in Madrid. Zum Schluß, nach einem letzten gescheiterten Aufbäumen, resigniert Zama; trotzig aber übergibt er die Flaschenpost dem Rio Paraguay mit Botschaft an seine Frau: „Marta, ich bin nicht gescheitert“.
Man hat den Roman bei seinem Erscheinen teilweise erstaunt zur Kenntnis genommen. Entsprach er doch überhaupt nicht den fabelhaften Werken eines Asturias oder Carpentier voller Mystik und Magie, sondern überraschte mit seinem nüchternen und lakonischen Stil. Zama gehört zum unverzichtbaren Kanon der lateinamerikanischen Literatur. (Klaus Küpper, Bücher zu Argentinien 2010)
Maria Bamberg wurde am 20.12.1915 in Berlin geboren. 1923 reiste sie mit den Eltern nach Patagonien und kehrte 1929 nach Berlin zurück. Ab 1935 lebte sie erneut in Patagonien, wo sie als Hauslehrerin und Deutsch- und Englischlehrerin an der Universität in Córdoba arbeitete. 1963 Rückkehr nach Berlin. Maria Bamberg gehört zu den bedeutendsten Vermittlern spanisch-sprachiger Literatur und sorgte beispielsweise dafür, dass Werke von Octavio Paz und Carlos Fuentes in angemessenen deutschen Ausgaben erschienen. U. a. übersetzte sie Werke von José María Arguedas und Antonio Di Benedetto. 1998 erschienen ihre Memoiren (Ella und der Gringo mit den großen Füßen). 2005 erhielt sie für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz. Maria Bamberg ist am 4.6.2016 in Berlin verstorben.

Der Autor:

Antonio Di Benedetto wurde am 2. 11. 1922 in Mendoza geboren. Er war Journalist und Prosaautor. Für sein schriftstellerischer Werk erhielt er zahlreiche Literaturpreise. Während der Militärdiktatur wurde er 1976 von den Militärs verschleppt und unter unmenschlichen Bedingungen gefangengehalten (dass er dabei gefoltert wurde, hat er bestritten „es war auch so schlimm genug ... daß ich glaubte, es nun nicht länger mehr ertragen, nicht überstehen zu können“. Interview m. Günter W. Lorenz). Erst die internationalen Proteste (u. a. von Heinrich Böll) bewirkten seine Freilassung und Emigration nach Spanien im Jahre 1977. 1984 kehrte er nach Argentinien zurück, wo er am 11. 10. 1986 krank und verarmt verstarb. Außer dem unten besprochenen bekanntesten Werk von Di Benedetto, das 1967 erstmals unter dem Titel „Und Zama wartet“ auf Deutsch erschien, wurde noch der Kurzroman El silencio ins Deutsche übersetzt (Stille, Frankfurt a. M. 1968).

Titel:

Zama wartet

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