Borges, Jorge Luis / Ferrari, Osvaldo: Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn

BorgesFerrariBorges, Jorge Luis / Ferrari, Osvaldo: Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn
Gespräche mit Osvaldo Ferrari.
Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs.
Zürich: Kampa Verlag, 2018. Kampa Salon. 318 S., geb., SU, 22,00 €.
O: En diálogo.
978-3-311-14002-3
 
Es begann in Buenos Aires, in der Bibliothek seines Vaters, über die Borges einmal sagte, wahrscheinlich habe er nie aus ihr herausgefunden. Nach dem Tod des Vaters trat er eine Stelle in einer städtischen Bibliothek an, „neun Jahre soliden Unglücks“, aber er hatte Zeit zum Lesen – und zum Schreiben von (im Doppelsinn) phantastischen Erzählungen wie „Die Bibliothek von Babel“. Die vierte Bibliothek seines Lebens war die argentinische Nationalbibliothek, der Borges ab 1955 vorstand. Im selben Jahr erblindete er: „Eine Ironie Gottes, der mir zugleich die Bücher und die Nacht gab.“ Die Bücher blieben, und von ihnen erzählte er dem argentinischen Autor Osvaldo Ferrari in dreißig kurzen Gesprächen zwischen 1984 und 1986. So kurz diese Dialoge sind, so reich das Innenleben, das sie offenbaren. Und Borges gewährt nicht nur Einblick in seine geistige Bibliothek, er erzählt von seinem Faible für Dolche und Messer, dass er sich von seiner Blindheit nicht das Reisen verderben lasse und davon, dass er dem Tod ungeduldig entgegensehe. Es entsteht ein Memoir in Fragmenten, reich an farbigen Anekdoten und verblüffenden Details – eine Fundgrube literarischer Perlen. (Verlagsinformation)
 
Die schon lange vergriffene Erstausgabe erschien 1990 im Arche Verlag. Damals schrieb unser Rezensent:
In Borges' letzten beiden Lebensjahren führte der argentinische Journalist Osvaldo Ferrari insgesamt neunzig 15minütige Gespräche mit dem Autor. Eine Auswahl aus den daraus entstandenen Radiosendungen und den in drei Bänden versammelten Dialogen liegt hier auf deutsch vor. Die Vielfalt der Themen entspricht den mannigfaltigen Interessen des Kosmopoliten Borges, und so sind diese Plaudereien gleichsam eine Reise durch die abendländische Kulturgeschichte. Eine anekdotische Reise vor allem durch die Literatur von Vergil bis Poe und von Shakespeare bis Flaubert, manchmal etwas geschwätzig (Ferrari), aber immer amüsant. (Klaus Küpper, BzL 1990/91)
 
Osvaldo Ferrari wurde 1948 in Buenos Aires geboren und lebt heute als Dichter und Essayist in Madrid.
 
Gisbert Haefs, geboren am 9.1.1950 in Wachtendonk, ist freiberuflicher Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber. Er studierte Anglistik und Hispanistik in Bonn. Er ist Autor von Kriminal-, SF- und historischen Romanen und hat u.a. Arthur Conan Doyle und Bob Dylan ins Deutsche übersetzt. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
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