Díaz Domínguez, María Laura / Sanabria, José: Ein Blatt im Wind

BlattWindDíaz Domínguez, María Laura / Sanabria, José: Ein Blatt im Wind
[KJL]
Zürich: NordSüd Verlag, 2018. 48 S., farbig illustr., geb., 16,00 €.
978-3-314-10442-8
Erzählerische Bilderbücher, ab 5 J.

Die traditionelle auf Papier gedruckte Tageszeitung hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung in dem traditionell von ihr dominierten Bereich der Nachrichtenvermittlung verloren. In den Hintergrund gerückt durch die breite Angebotspalette digitaler Medien, sind Druckversionen weniger gefragt und haben mit sinkenden Auflagen und wachsender Konkurrenz im Internet zu kämpfen.
Das ausdrucksstark illustrierte Bilderbuch „Ein Blatt im Wind“ rückt das Medium Tageszeitung jedoch in den Mittelpunkt des Geschehens. Erzählt werden die Ereignisse aus der ungewöhnlichen Perspektive einer Zeitung selbst. Mit ihrem Druck beginnt ihr Leben eines frühen Morgens auf einem Stapel zusammen mit vielen anderen Zeitungen. Voller Vorfreude auf ihr neues Zuhause gelangt jener Stapel an einen Kiosk, von wo die einzelnen Zeitungen von den verschiedensten Menschen abgeholt werden und damit beginnen, „ihre eigene Geschichte zu leben“. Dem letzten Exemplar, welches die Geschichte erzählt, widerfährt jedoch etwas anderes: Diese letzte Zeitung wird nicht wie alle anderen aus ihrem Stapel verkauft. Sie wird durch einen Windstoß auseinander gewirbelt. Ihre Seiten gehen auf die Reise und werden in alle Himmelsrichtungen zerstreut; jede an einen anderen Ort. So erlebt sie all die möglichen Verwendungszwecke, die Zeitungspapier nur haben kann: Sie wird zum Putzen genutzt und man legt den Boden eines Vogelkäfigs mit ihr aus. Sie findet Verwendung für das Basteln eines Papierschiffchens oder zum Falten eines Papierfliegers. Sie wird als Malerhut gebraucht, oder um sich dahinter zu verstecken, um darunter Schutz zu suchen, vor Wind und Wetter, Regen und Schnee, oder vor Kälte, um einen toten Goldfisch einzuwickeln oder ein Feuer zu machen. Unsere Protagonistin durchlebt Höhen und Tiefen, gleich einem Menschen, der himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt in den Extremen seiner Existenz verweilt. Ohne es zu merken, leistet die Zeitung dabei jedem, dem sie begegnet, gute Dienste. Mit ihrem allerletzten Blatt wird sie schließlich Überbringerin einer freudigen Nachricht. Ein betrübter Mann – der erste, der sie tatsächlich liest – hatte bereits auf sie gewartet und erhält durch sie „die wunderbarste Nachricht der Welt“, die ihn beflügelt; ihm – im wahrsten Sinne des Wortes – Flügel verleiht und ihn fliegen lässt, so wie schon der Windstoß es der Zeitung zu Anfang des Buches ermöglicht hatte zu fliegen, um ihren Weg in der Welt zu finden. Darin, jemanden durch ihre Existenz glücklich zu machen und dazu beizutragen, seine Welt besser zu machen, erkennt die Zeitung den Sinn ihres Daseins.
Eine außergewöhnliche Liebeserklärung an die gute alte Tageszeitung ist dieses Bilderbuch, das auf jeder einzelnen Seite an all die Weisen erinnert, auf die dieses zuweilen recht lieblos behandelte Medium ganz selbstverständlich den Alltag bereichert. Die farbenfreudig strahlenden Illustrationen sind präzise und dennoch nicht überfüllt, und lassen dank freier Farbflächen Raum für Interpretation.
Johanna Klute, Bücher zu Lateinamerika 
Die Autorin María Laura Díaz Domínguez (Dedé) wurde 1970 in Buenos Aires geboren. Die ausgebildete Grafikdesignerin arbeitete in vielen Werbeagenturen bevor sie 2003 beschloss, sich der Kinderliteratur zu widmen. Bei Geschichten- und Poesiewettbewerben hat sie mittlerweile zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewonnen.
José Sanabria, geboren am 17.2.1969 in Kolumbien, lebt seit 1992 in Argentinien. Er studierte Grafikdesign in Bogotá und Illustration in Buenos Aires. Seine Arbeiten wurden auf vielen Ausstellungen gezeigt, seine Bücher, u.a. illustrierte Kinderbücher, sind in vielen Ländern veröffentlicht worden.

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