Toledo, Eymard: Juju und Jojô

Toledo Juju JojoToledo, Eymard: Juju und Jojô
Eine Geschichte aus der Großstadt
Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler
► Basel: Baobab Books, 2019 (1.3.). Ca. 32 S., geb., 29 x 22.5 cm, ca. 16,50 €.
978-3905804-92-8
Ab 5 Jahren
 
Die Zwillingsmädchen Juju und Jojô wohnen zusammen mit ihren Eltern in einem Hochhaus in einer stetig wachsenden brasilianischen Großstadt. Umringt von hohen Gebäuden gibt es eine Besonderheit, die ihr Zuhause von allen anderen unterscheidet: Vor Jahren hat der Vater der Mädchen einen Jabuticababaum vor dem Haus gepflanzt. Inzwischen ist dieser Baum bereits so hoch wie ihr Balkon im vierten Stockwerk und trägt köstlich süße Früchte. Vor allem aber bietet er einen Lebensraum für zahlreiche Insekten. Dass diese wichtig für das ökologische Gleichgewicht sind, hat Juju von ihrer Nachbarin Dona Filó gelernt und sie versucht, ihr Wissen nun auch ihrer Familie und anderen Menschen in ihrem Alltag zu vermitteln.
Aus Papierschnipseln hat Eymard Toledo eine präzise getroffene Collagen-Großstadt erschaffen, die mit Leichtigkeit vermittelt, welche Besonderheit der Obstbaum mit seinen tierischen Bewohnern inmitten der städtischen Hochhauslandschaft darstellt: Toledos farbenfrohe Bilder illustrieren, wie der Vater mit viel Mühe und einem Spaten das Pflaster aufbrechen musste, um den Baum pflanzen zu können oder wie liebevoll Dona Filó den Baum auch bei Trockenheit mit Wasser versorgt. Die gemeinsam erschaffene grüne Oase ist etwas Außergewöhnliches, umso mehr in einer Stadt, die stetig wächst, inmitten von Häusern, die immer höher gebaut werden. Und sie lässt den Leser den willkommenen Schatten des Jabuticababaums auf der Haut spüren, während rings umher die gleißende Sonne auf staubigen Asphalt trifft.
Ganz nebenbei hat die Autorin den Alltag in einer brasilianischen Metropole nachgezeichnet: die langen Fahrten in überfüllten Bussen bei hohen Temperaturen, die typischen Häuserfluchten, die Straßenverkäufer, die Löcher im Asphalt, aber auch die Kreativität und das bunte Treiben auf der Straße, der Junge, der einen großen schweren Wasserkanister auf seinem Fahrrad transportiert. Hervorragend getroffen ist dabei die selbstbewusste Haltung der Brasilianerinnen.
Das Buch beinhaltet ein Insekten-Glossar sowie ein Nachwort der Autorin.
Johanna Klute (Bücher zu Lateinamerika)
 
Michael Kegler wurde 1967 in Gießen geboren und hat einen Teil seiner Kindheit in Liberia und Brasilien verbracht. Er arbeitete als Buchhändler und Journalist und übersetzt seit 1992 Literatur aus dem Portugiesischen, u.a. Werke von José Eduardo Agualusa, Felipe Tadeu, João Paulo Cuenca, Michael Laub, Moacyr Scliar und Luiz Ruffato. Seit 2001 unterhält er das Internetportal nova cultura, das regelmäßig über kulturelle Ereignisse aus dem portugiesischsprachigen Raum informiert. Kegler erhielt 2014 zusammen mit Marianne Gareis den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW und 2016 der Hermann-Hesse-Preis zusammen mit Luiz Ruffato. Er lebt in Hofheim/Taunus.
 
Die Autorin:
Toledo Eymard1 72dpiEymard Toledo wurde in Belo Horizonte geboren.
Als sie mit 25 feststellte, dass sie mit ihrem Kunststudium in Brasilien keine Arbeit finden würde, ist sie durch Europa gereist und hat sich zu einem Studium in Produktdesign an der Hochschule der Künste in Berlin entschlossen.
Heute arbeitet Toledo selbstständig als Grafikerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Mainz.
Ihr viel gelobtes Kinderbuch „Bené, schneller als das schnellste Huhn“ wurde von der Stiftung Buchkunst zu einem der schönsten Bücher des Jahres 2014 gewählt.


(Foto: © Baobab)

Titel:
Onkel Flores
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