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„Die Wirklichkeit, ja, die Wirklichkeit,
dieser Blitz des Unsichtbaren,
der uns die Einsamkeit Gottes kundtat.“*

Olga Orozco (eigentlich Olga Noemí Gugliotta) wurde am 17. März 1920 in Toay/La Pampa geboren.
OrozcoOlgaIhre Kindheit verbrachte sie in Bahía Blanca; im Alter von 16 Jahren zog sie nach Buenos Aires, wo sie ein Literaturstudium begann, als Journalistin arbeitete und erste Gedichte, teilweise unter wechselnden Namen, veröffentlichte. Außerdem schrieb sie unter verschiedenen Pseudonymen Theaterkritiken, Kolumnen für Frauenzeitschriften, übersetzte u. a. Adamow, Ionesco und Pirandello und arbeitere als Lektorin.
Ihre Lyrik wurde beeinflusst u. a. von Rimbaud, Baudelaire und Rilke. In Argentinien war Orozca eine Ikone unter Poesieliebhabern – dem Großteil des Publikums aber blieb sie trotz der ihr verliehenen zahlreichen Auszeichnungen unbekannt. 1988 erhielt sie den Premio Nacional de Poesia, 1995 den Premio Gabriela Mistral und 1998 den renomierten Juan-Rulfo-Preis für ihr Lebenswerk. „Ihre Poesie ist mächtig, hat funkelnde Wellen, die bei Ebbe Raubtierzähne und juwelenbesäte Bezirke zurücklassen. Olga kennt den Schmerz des Körper gewordenen Wortes. Ihre Wörter nähen kein Kleid, sie vernähen eine Wunde. Sie verabredet sich mit ihren Verlusten und hält die Schönheit dauerhaft.“ (Juan Gelman, Aus der Ansprache zur Verleihung des Juan-Rulfo-Preises)
Deutsche Übersetzungen waren und sind Mangelware und erschienen lediglich in Zeitschriften und Anthologien. Erst zwei Jahre nach ihrem Tod erschien im Züricher Teamart Verlag eine kleine zweisprachige Auswahl aus ihren Werken, eingeführt und übersetzt von Juana und Tobias Burghardt (Die letzten Splitter des Lichts / Las últimas astillas del reflejo)**. 2010, aus Anlass des Buchmessenschwerpunkts Argentinien, erschien eine weitere zweisprachige Anthologie mit Gedichten (En la rueda solar / Im Sonnenrad), herausgegeben und übersetzt von Elfriede Plöger, ebenfalls zusammengestellt aus den zehn Veröffentlichungen der Autorin aus den Jahren 1946 bis 1998.
„Wenn Olga ihre Gedichte vortrug, konnte man eine fast mythische Erfahrung machen. Mit dunkler und schwerer Stimme pflegte sie ihre Gedichte zu lesen und als eine Sehschwäche sie daran hinderte vorzulesen, begann sie, sie auswendig zu rezitieren. Daher wird sie wie eine Magierin angerufen, genauso wie sie es sich in ihren Versen wünschte: ‚Von meinem Aufenthalt bleiben die Magien und die Riten / einige für den Hauch einer erbarmungslosen Liebe vergeudeten Tage.’“ (Esther Andradi)
Die Grand Dame der argentinischen Gegenwartslyrik starb am 15. August 1999 in Buenos Aires.
* übersetzt von Juana und Tobias Burghardt.
** das Buch ist in der Deutschen Nationalbibliothek nicht vorhanden!

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