Galeano, Eduardo: Kinder der Tage

Galenao KinderGaleano, Eduardo: Kinder der Tage
Aus dem Spanischen von Lutz Kliche. Illustriert von Eduardo Galeano.
Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2014. 2. Auflage. 411 S., geb., 24,00 €.
O: Los hijos de las días. Montevideo 2012.
978-3-7795-0435-1

Noch ist es Zeit, sich für das kommende Jahr mit einem Kalender zu versorgen. Anders als die handelsüblichen Exemplare voller leerer Seiten und einer beschränkten Gültigkeit empfehle ich jedoch Galeanos „Kinder der Tage". Der Titel ist durchaus wörtlich zu versehen: Tag für Tag und über die Jahrhunderte hinweg erzählt uns der Autor von den Geschehnissen, die sich an diesem Kalendertag ereignet haben oder mit ihm in Zusammenhang stehen. Manchmal sind es Geburts- oder Todestage, oft auch scheinbar banale Ereignisse, die in keinem Geschichtsbuch stehen - aber immer sind es Geschichten, die mit einer überraschende Pointe enden, wie etwa die folgende, die sich am 21. April zugetragen hat:

Es geschah in Spanien, in einem Dorf der Region La Rioja, in der Abenddämmerung des heutigen Tages im Jahre 2011, während einer Prozession in der Karwoche. Eine Menschenmenge begleitete schweigend den Weg von Jesus Christus und der römischen Soldaten, die ihn mit Peitschenhieben vorantrieben. Da durchbrach eine Stimme das Schweigen. Auf den Schultern seines Vaters sitzend, rief Marcelo Rabasco dem Gepeinigten zu:
„So wehr dich doch! Wehr dich!"
Marcos war zwei Jahre, vier Monate und einunzwanzig Tage alt.

Galeanos immerwährender Kalender enthält noch 364 andere Seiten!
Klaus Küpper, BzL

Lutz Kliche ist Hispanist und verbrachte fünfzehn Jahre in Zentralamerika und Mexiko, wo er als Übersetzer und im Kulturbereich arbeitete. Heute lebt er als Übersetzer aus dem Spanischen und Englischen in Deutschland. Er übertrug u. a. Werke von Ernesto Cardenal, Eduardo Galeano, Gioconda Belli, Sergio Ramírez, Rodolfo Walsh und Fernando del Paso.

Der Autor:

GaleanoYabeckEduardo Hughes Galeano wurde am 3. September 1940 in Montevideo geboren.
Er ist Journalist und war Chefredakteur bei mehreren renomierten Zeitungen und Zeietschriften in Uruguay und Argentinien.
Ab 1976 lebte er im spanischen Exil. 1985, nach der Beendigung der Militärdiktatur in Uruguay, kehrte er nach Montevideo zurück. Für seine literarische Arbeit erhielt er u.a. den Preis der „Casa de las Americas" und den „American Book Award". Er ist Ehrendoktor der Universitäten La Paz, Havanna und Neuquén/Argentinien.
Sein international bekanntestes Werk sind „Die offenen Adern Lateinamerikas".
Zu den zahlreichen anderen auf Deutsch vorliegenden Werken siehe auch BzL 2002/03 und Nachträge.
Eduardo Galeano starb am 13.4.2015 in Montevideo.

(Foto: Yabeck © beim Autor)

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