[Ocampo] Kroll, Renate: Victoria Ocampo – Mein Leben ist mein Werk

Kroll OcampoKroll, Renate: Victoria Ocampo – Mein Leben ist mein Werk
Ein Biographie in Selbstzeugnissen. Herausgegeben, kommentiert und übersetzt von Renate Kroll.
Berlin: Aufbau, 2010. 339 S., m. 40 Fotos, geb., 22,95 €.
978-3-351-02724-7

Victoria Ocampo (7.4.1890 – 27.1.1979) war eine der herausragenden Gestalten und einflußreichsten Frauen der lateinamerikanischen Kultur. Dem argentinischen Großbürgertum entstammend (aus dessen engen Konventionen sie sich bald befreite) war sie frei von finanziellen Abhängigkeiten und konnte den Kontakt mit einer Reihe von bedeutenden internationalen Intellektuellen ihrer Zeit pflegen. Sie reiste mehrfach nach Europa und in die USA und war großzügige Gastgeberin in der Villa ihrer Eltern in San Isidro oder in ihrem Haus in Mar del Plata, das sie ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit erbauen ließ.
Zu ihren Freunden und Bekannten, mit denen sie meist jahrelange Korrespondenzen unterhielt, gehören Namen wie Ortega y Gasset, Thomas Mann, André Malraux, Stefan Zweig, Gabriela Mistral, Rabindranath Tagore, Albert Camus, Virginia Woolf und Hermann Graf Keyerling.
Im Jahre 1931 gründete sie mit der heute legendär gewordenen SUR eine für fast fünfzig Jahre tonangebende Kulturzeitschrift. Sie schrieb bedeutende Essays, ihre Erinnerungen umfaßten am Ende zehn Bände und sechs Bände autobiographische Schriften. Sie kämpfte gegen den Peronismus, den Faschismus und für die Emanzipation der Frauen.
Bisher sind von Victoria Ocampo nur ein Schauspiel und 18 Essays übersetzt veröffentlicht worden. Es wurde also höchste Zeit, dieser einzigartigen Frau in eigenen und biographischen Texten nachzuspüren, um ihre Faszination und Bedeutung auch für den deutschsprachigen Raum endlich angemessen zu würdigen (die bisher einzige und hochgelobte Biographie von Doris Meyer von 1982, die auch 15 Essays enthält, ist seit Jahren vergriffen).
Die Literaturwissenschaftlerin Renate Kroll stellt uns Victoria Ocampo anhand ihrer Erinnerungen, Schriften und Briefe vor, die von ihr ausgewählt, übersetzt und kommentiert wurden. Sie hat die zitierten Selbstzeugnisse thematisch und cronologisch mit eigenen Texten verbunden. Diese Darstellung erleichtert den Lesern und Leserinnen den Zugang zur „Königin der argentinischen Literatur" (Ayerza/Felgine) und ihrer Zeit, sie erleben die Höhen und Tiefen in ihrer Biographie und können ihre Leidenschaften und Irrtümer nachvollziehen. Ca. 25 Abbildungen ergänzen diese wichtige und spannend zu lesende Veröffentlichung.
Klaus Küpper, BzL