[Argentinien] Pfeiffer, Erna (Hrsg.): "Sie haben unser Gedächtnis nicht auslöschen können"

Pfeiffer GedächnisPfeiffer, Erna (Hrsg.): "Sie haben unser Gedächtnis nicht auslöschen können"
Jüdisch-Argentinische Autorinnen und Autoren im Gespräch
Herausgegeben und aus dem Spanischen übersetzt von Erna Pfeiffer
Wien: Löcker, 2016. edition pen, Bd. 39. 486 S., englbr., 34,80 €.
978-3-85409-805-8

Reflexionen über die Familiengeschichte(n), die eigene Exil- oder Migrationssituation, über Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen sowie die literarische Verarbeitung von Vergangenheitstraumata und Zukunftsträumen bilden das Rückgrat der Gespräche, die Erna Pfeiffer mit 15 zeitgenössischen Autorinnen und Autoren aus Argentinien führen konnte, deren verbindendes Merkmal die Herkunft aus einem jüdischen Umfeld bildet.
Eine der größten Einwanderergruppen, die seit dem späten 19. Jahrhundert den Atlantik überquerten, waren Jüdinnen und Juden aus Europa und Nordafrika auf der Suche nach einem "Gelobten Land", in dem sie Schutz vor Anfeindungen, Pogromen und wirtschaftlicher Not finden würden. Moises Ville nannten sie eine der ersten Siedlungen in der Provinz Santa Fe in Argentinien. Im 20. Jahrhundert konnten sich noch einmal an die 45.000 Personen aus Mittel- und Osteuropa vor der Shoa in Sicherheit bringen und am Fluchtpunkt Buenos Aires eine neue Existenz aufbauen.
In einem paradoxen "Umkehrschub" mussten etliche ihrer Nachfahren als engagierte Intellektuelle und KünstlerInnen vor den argentinischen Militärdiktaturen der 1960er- und 70er-Jahre ins politische Exil flüchten. Auch inneres Exil, Rückzug aus der Öffentlichkeit, ja sogar zeitweises Verstummen als Schreibende, waren Möglichkeiten direkter Verfolgung zu entkommen. Unter den sogenannten "Verschwundenen" befanden sich überproportional viele Menschen jüdischer Herkunft, was Reminiszenzen an den Holocaust hochkommen ließ.
Autorinnen und Autoren: Sergio Chejfec (*1956), Alicia Dujovne Ortiz (*1939), Luisa Futoransky (*1939), Mario Goloboff (*1939), Alicia Kozameh (*1953), Liliana Lukin (*1951), Andrés Neuman (*1977), Diana Raznovich (*1945), Reina Roffé (*1951), Sara Rosenberg (*1954), Mario Satz (*1944), Ana María Shua (*1951), Perla Suez (*1947), Mario Szichman (*1945), Susana Szwarc (*1952).
(Verlagsinformation)

Erna Pfeiffer wurde 1953 in Graz geboren. Nach einem Übersetzerstudium absolvierte sie ein Doktorat aus Romanistik und Slawistik an der Universität Graz sowie Postgraduate-Studien am Instituto Caro y Cuervo in Bogotá (Kolumbien), an der Hochschule St. Gallen (Schweiz) und am Colegio de México. Seit 1996 ist sie Außerordentliche Universitätsprofessorin am Institut für Romanistik der Karl-Franzens-Universität Graz. Gastprofessorin an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck. Als literarische Übersetzerin hat sie seit 1988 zahlreiche Werke spanischer und lateinamerikanischer Autoren und Autorinnen ins Deutsche übertragen.
Sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Werke.