[Mexiko] Subcomandante Marcos: Kassensturz

Subcomandante KassensturzSubcomandante Marcos: Kassensturz
Interviews und Vorwort: Laura Castellanos.
Aus dem Spanischen übersetzt von Horst Rosenberger.
Hamburg: Edition Nautilus, 2009. 157 S., br., m. 10 s/w Fotos v. Ricardo Trabulsi. 13,90 €.
978-3-89401-590-9

In den letzten Jahren hat die internationale Medienpräsenz der zapatistischen Bewegung deutlich abgenommen. Selbst die „Andere Kampagne", mit der die EZLN im Vorfeld der mexikanischen Präsidentschaftswahlen 2006 durch das Land tourte, hat für verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit gesorgt. Das vorliegende Buch entstand nun mit dem erklärten Ziel, der zapatistischen Bewegung „zum Zeitpunkt seiner größten Isolierung" ein Forum innerhalb der (zunächst mexikanischen, mit der Übersetzung nun auch internationalen) Öffentlichkeit zu bieten. Es besteht aus zwei Interviews, die Ende 2007 innerhalb weniger Tage von der mexikanischen Journalistin Laura Castellanos geführt und ursprünglich in der Zeitschrift Gatopardo veröffentlicht wurden. Angehängt findet sich außerdem noch die Sechste Erklärung aus dem lakandonischen Urwald von 2005, mit der damals zur Anderen Kampagne aufgerufen wurde und die das aktuellste Dokument der zapatistischen Verlautbarungen darstellt.
Das Buch bietet einen interessanten Einblick in den aktuellen Stand der zapatistischen Bewegung. Ausführlich erläutert der Subcomandante Marcos die Abkehr der Zapatisten von der mexikanischen Parteipolitik und besonders den viel kritisierten Bruch mit der linksliberalen Oppositionspartei PRD (Partido de la Revolución Democrática). Eine Konsequenz dieser Haltung war die Konzentration auf die konkrete Umsetzung zapatistischer Zielsetzungen in den lokalen Strukturen der selbstverwalteten Gemeinden in Chiapas. Auch die neue, nun dezidiert antikapitalistische Positionierung kommt zur Sprache. Wer also Interesse dran hat, sich mit den aktuellen Positionen und Strategien der Zapatisten aus der Perspektive des Subcomandante Marcos zu beschäftigen, dem sei dieses kurzweilige und gut lesbare Buch empfohlen. Kritisch anmerken lässt sich allerdings, dass es, trotz gegenteiliger Bemühungen innerhalb der zapatistischen Bewegung, die mediale Fixierung auf die Figur des Subcomandante Marcos nur weiter verstärkt.
Ulrike Bock, BzL