[Mexiko] Graf, Patricia: Innovationspolitik in Mexiko

Graf Innovations MexikoGraf, Patricia: Innovationspolitik in Mexiko
Leitbilder, Akteure und Interaktionen
Baden-Baden: Nomos, 2011, 312 S., br., 54,00 €.
978-3-8329-6159-6

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die politikwissenschaftliche Dissertation der Autorin, die diese 2010 an der Universität Tübingen eingereicht hat. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Untersuchung der Entscheidungsstrukturen innerhalb der mexikanischen Innovationspolitik und damit die Frage, wie die verschiedenen lokalen, regionalen und nationalen Akteure dieses Feldes interagieren. Dies analysiert die Autorin anhand von regionalen Innovationsprozessen – ein Fokus, der vor dem Hintergrund der lange extrem zentralistisch geprägten Politik in Lateinamerika in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen hat. Als Beispiele dienen ihr dabei die beiden Bundesstaaten Jalisco und Guanajuato, die beide stark industriell, jedoch mit der Elektro-und Softwareindustrie (Jalisco) und des Schuhsektors (Guanajuato) von recht unterschiedlichen Branchen geprägt sind.
Das Buch ist vorwiegend an ein wissenschaftliches Fachpublikum gerichtet und gliedert sich in fünf Kapitel. Mit dem ersten Kapitel wird zunächst der theoretische Rahmen der Arbeit, die Theorie der Nationalen und Regionalen Innovationssysteme, dargestellt und eingeordnet. Die so entwickelten Kategorien werden dann im zweiten Kapitel auf den Fall der mexikanischen Innovationsprozesse angewandt, während in den Kapiteln 3 und 4 die politischen Interaktionen der hieran beteiligten Akteure im Blickpunkt stehen. Das letzte Kapitel ist den beiden schon erwähnten Fallstudien zu Jalisco und Guanajuato gewidmet. Die Autorin kommt hier zu dem Ergebnis, dass in den beiden Bundesstaaten ganz unterschiedliche Steuerungsmechanismen greifen; auch aus diesem Grund ist ein Lernprozess zwischen den verschiedenen Regionen nicht ohne weiteres möglich. In der Zusammenfassung der Arbeit greift die Autorin schließlich u.a. die Kritik an dem von ihr verwendeten Innovationsansatz auf, den sie bereits in der Darstellung ihres theoretischen Rahmens anklingen ließ. So geht Graf dort auf die Gemeinsamkeiten des Ansatzes mit der Modernisierungstheorie ein und deutet an, dass auch der Begriff der „Innovation" selbst zu hinterfragen ist. Es bleibt zu hoffen, dass die von der Verfasserin abschließend angemahnte kritische Betrachtung und mögliche Verbindung mit anderen Ansätzen in der Forschung beachtet wird.
Ulrike Bock, BzL