[Mexiko] Bandau, Anja u.a. (Hrsg.): Pasando Fronteras

Bandau, Anja u.a. (Hrsg.): Pasando Fronteras
Hrsg. von Anja Bandau, Diana Grothues, Frank Müller, Simone Schnabel, Stephanie Schütze und Susanne Willers.
Transnationale und transkulturelle Prozesse im Grenzraum Mexiko-USA
Berlin: edition tranvía, 2009. Fragmentierte Moderne in Lateinamerika, Bd. 6. 247 S., br., 19,80 €.
978-3-938944-27-1

bandau FronterasDie Grenze zwischen Mexiko und den USA als Ort der Interaktion ist Thema dieses Sammelbandes. Die Beiträge gliedern sich dabei in vier Sektionen, die soziale Raumkonstruktionen, staatliche Akteuren, Geschlechterkonstruktionen und kulturellen Produktionen im Grenzraum umfassen. Im ersten Artikel wird zunächst die Konstruktion transnationaler Räume behandelt, indem soziale Netzwerke von in die USA migrierten Dorfbewohnern aus Guerrero untersucht werden. Ein zweiter Text beschäftigt sich mit sozialen Strukturierungsprozessen einer irregulären Migrantensiedlung in Tijuana. In der zweiten Sektion stehen diskursive und Alltagspraktiken staatlicher Akteure im Mittelpunkt. Dabei wird die Kriminalisierung von Jugendkultur seitens der Polizei in Tijuana sowie die Einflussnahme auf die Berichterstattung über Polizeigewalt gegen Frauen in der Grenzregion thematisiert. Im letzten Aufsatz des Abschnitts wird die Grenze selbst stärker thematisiert, wenn anhand der staatlichen Einheit zum Schutz von Migranten, den „Grupos Beta", die Positionierung des mexikanischen Staates in dem Diskurs um die Herstellung von Sicherheit in den Grenzregionen untersucht wird. Die dritte Sektion umfasst zunächst zwei Texte, die nach den Erfahrungen schwuler Maquiladora-Arbeiter sowie dem Wandel der Konstruktion von Männlichkeit bei ehemaligen Drogenabhängigen durch ihren Aufenthalt in Entzugseinrichtungen fragen. Darüber hinaus behandelt ein weiterer Beitrag den Protest einer queeren Performancekünstlerin gegen staatliche wie auch gegen Geschlechtergrenzen. Dieser Artikel verweist damit auf das Thema der vierten Sektion, die sich mit der kulturellen Produktion im Grenzraum beschäftigt. Der erste Beitrag behandelt Hintergründe und Genese des Kultes um „Juan Soldado", der von Migranten als eine Art Schutzpatron für den Grenzübertritt in die USA betrachtet wird. Die nächsten beiden Artikel widmen sich spezifischen Kunstschaffenden bzw. einem Kunstprojekt, in denen Tijuana als Ort von Kunstproduktion reflektiert wird. Der letzte Beitrag behandelt schließlich anhand eines alternativen Radioprojektes die Konstruktion subkultureller Identitäten im Spannungsfeld zwischen transnationalen und lokalen Bezugspunkten. Insgesamt widmet sich doch eine beträchtliche Anzahl der Beiträge Phänomenen, die zwar verstärkt, aber nicht ausschließlich im Grenzraum auftreten. Zumindest eines der Anliegen des Bandes, nämlich transnationale und transkulturelle Prozesse in den Vordergrund zu stellen, wird so nur bedingt eingelöst.
Ulrike Bock, BzL