[Kuba] Bahrmann, Hannes: Abschied vom Mythos

Bahrmann KubaHannes Bahrmann: Abschied vom Mythos
Sechs Jahrzehnte kubanische Revolution – Eine kritische Bilanz
Berlin: Chr. Links Verlag, 2016. 248 S., br., 18,00 €.
978-3-86153-912-4

Es ist schon harter Tobak, der denen geboten wird, die „trotz allem“ in Cuba weiter mehr Hoffnung als Elend sehen. Nicht erst seit dem Zusammenbruch des realsozialistischen „Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) im Jahr 1990 und jetzt dem Ende der Unterstützung durch Venezuela stellt sich bei immer noch existierender Wirtschaftsblockade drängender die Frage, wie es wohl weiter gehen soll.
Bahrmann konzentriert sich auch auf dem Hintergrund der intimen Kenntnis von den Herrschafts- und Lenkungsmechanismen in der untergegangenen DDR sehr auf Fehler und Fehlentwicklung in der cubanischen Revolution und ihrer Protagonisten. Vielleicht mehr noch als wir in der BRD verband sich in der DDR die Hoffnung auf Cuba und Nicaragua mit der Möglichkeit der Veränderung auch im eigenen Land, was nicht unwesentlich zum Aufbau des „Mythos“ geführt haben wird. So muss es möglicherweise noch mehr schmerzen, mit anzusehen, dass nach dem Niedergang der DDR trotz all des Wissens um die Ursachen das Gleiche noch mal in Cuba passiert, ohne das Lehren aus der Geschichte gezogen wurden – oder werden konnten?
Bahrmann sich verabschiedet – schonungslos und fast schon überbordend – vom Mythos und seinen Protagonisten. Auch wenn bewusst kein „Ausblick“ und keine Prognose gewagt wird, gibt das Buch einen – ernüchternden – Einblick in das jetzige Cuba, in dem die Partei und der damit verbundene Militärapparat der einzige funktionierende Wirtschaftszweig sind, der in die Auseinandersetzung mit den USA und den Exilcubanern geht.
Helmut Schaaf