[Exil] Dillmann, Hans-Ulrich, Heim, Susanne: Fluchtpunkt Karibik

Dillmann FluchtpunktDillmann, Hans-Ulrich, Heim, Susanne: Fluchtpunkt Karibik
Jüdische Emigranten in der Dominikanischen Republik
Berlin: Chr. Links, 2009. 188 S., ca. 40 Abb., 2 Karten, br., 24,90 €.
978-3-86153-551-5

Das Buch des Journalisten Hans-Ulrich Dillmann und der Historikerin Susanne Heim beleuchtet ein kaum bekanntes Kapitel der jüdischen Emigration nach 1933, nämlich die Flucht in den Dominikanische Republik. Dort regierte seit 1930 Rafael Trujillo Molina, der eine regelrechte Schreckensherrschaft über die Republik im Ostteil der Insel Hispaniola ausübte, in deren Westteil Haiti liegt. Trujillo war nicht nur ein skrupelloser Autokrat, sondern auch ein Rassist. Sein Hass richtete sich gegen die schwarze HaitianerInnen, die meist als Tagelöhner in der Dominikanischen Republik arbeiteten. 1938 gab es auf Befehl Trujillos eine regelrechte Hetzjagd auf HaitianerInnen, der mehrere Tausend Menschen zum Opfer fielen. Um der internationale Kritik an diesem Massaker entgegenzutreten, machte Trujillo auf der Flüchtlingskonferenz von Evian im Juli 1939 das Angebot 10.000 jüdische EmigrantInnen aus Europa aufzunehmen, während die anderen Teilnehmerstaaten sich gegen die Aufnahme bedrohter Juden und Jüdinnen sperrten. Durch die jüdische Einwanderung erhoffte sich Trujillo zudem eine „Aufhellung" der dominikanischen Bevölkerung.
Die Flüchtlinge sollten als landwirtschaftliche Siedler in die Dominkanische Republik kommen. Die zur Organisation dieses Projektes Ende 1939 gegründete „Dominican Republic Settlement Assoziation" (DORSA) fand im Nordwesten der Dominikanischen Republik am Atlantik ein geeignetes Gelände, um ein solches Kolonisierungsprojekt zu realisieren. In den ersten Monaten des Jahres 1940 kamen die ersten 252 SiedlerInnen und begannen mit dem Aufbau des Siedlungsprojektes Sosúa, in Juli und Dezember 1941 trafen weitere Gruppen ein. Die Entwicklung des Agrarbetriebes und die dabei auftretenden Problem und Konflikte bilden einen Schwerpunkt des Buches. Insgesamt kamen etwa 400 Juden und Jüdinnen nach Sosúa.
Seit den achtziger Jahren hat sich Sosúa zu einem der Zentren des Massentourismus in der Dominikanischen Republik entwickelt. Auch Tausende deutscher PauschaltouristInnen kommen inzwischen alljährlich dorthin. Die wenigsten wissen um die Geschichte des Ortes.
Gert Eisenbürger, BzL