Diego de Landa: Bericht aus Yucatán

Landa Yucatan 2017Diego de Landa: Bericht aus Yucatán
(Relación de las cosas de Yucatán)
Übersetzt von Ulrich Kunzmann.
Stuttgart: Reclam, 2017. RT 20485. 291 S., br., 9,95 €.
978-3-15-020485-6
 
Diego de Landa, ein Franziskaneremönch, der als jüngerer Sohn von seiner Familie zum Priesterberuf bestimmt wurde, meldete sich freiwillig für die Missionsarbeit in der „Neuen Welt“. De Landa kam 1549 nach Yucatán, das bis auf wenige Gebiete kurz zuvor von der Conquista erobert worden war. Sein Missionseifer, die von ihm veranlassten Autodafés waren selbst dem Orden zuviel und er mußte 1563 nach Spanien zurückkehren, um sich gegen die ihm gegenüber erhobenen Vorwürfe zu verteidigen. Der Urteilsspruch endete positiv und so konnte er 1571 als Bischof von Yucatán zu seinen Schäfchen zurückkehren. De Landa, dem wir die Vernichtung einer ungeheuren Zahl von Maya-Schriften verdanken, schuf mit seinem Bericht gleichzeitig ein Dokument von unschätzbarem Wert. Er legte mit seinen Beobachtungen, Befragungen und Aufzeichnungen über die Kultur und Religion der Mayas die Grundlage für viele Erkenntnisse über die Kultur der Einheimischen. So führten seine Bemerkungen über den Maya-Kalender erst in der heutigen Zeit zu einer Neubewertung der Astronomie und Mathematik der Mayas, ebenso wie seine Notizen über die Maya-Glyphen die Entzifferung der „Schrift“ voranbrachten. Und so dient eine Schrift, die seinerzeit ausschließlich Basis für die Missionierung sein sollte, heute der Forschung zum besseren Verständnis einer untergegangenen Hochkultur. Im Anhang findet sich ein informatives Nachwort des Herausgebers Carlos Rincón sowie ein Auszug aus dem berühmten Werk von Schele/Miller: The Blood of Kings. Die vorliegende Ausgabe ist eine Neuedition der deutschen Erstausgabe von 1990, die damals noch in der DDR erschienen war,sowie einer Neuauflage des Verlags von 2007.
Klaus Küpper zur Ausgabe von 2007. (Bücher zu Lateinamerika 2007/08)