Humboldt, Alexander von: Kosmos

Humboldt KosmosHumboldt, Alexander von: Kosmos
Entwurf einer physischen Weltbeschreibung.
Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Ottmar Ette und Oliver Lubrich.
Berlin: Die Andere Bibliothek, 2014. 934 S., Ln., i. Sch., Folio, 99,00 €.
Nachdruck.
978-3-84770014-2

„Ich habe den tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles was wir heute von den Erscheinungen der Himmelräume und des Erdenlebens, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Moose auf den Granitfelsen wissen, alles in einem Werk darzustellen, und in einem Werk, das zugleich in lebendiger Sprache anregt und das Gemüt ergötzt." 1834, als Humboldt diese Idee zu Papier brachte, lag die Erfahrung mit den sogenannten Kosmos-Vorträgen in der Berliner Singakademie bereits hinter ihm. Hier hatte er zum erstenmal die Idee seiner Jugend und die Erfahrungen seiner Reisen und Forschungen in eine populäre Form gebracht und veröffentlicht.
Von Dezember 1827 bis März 1828 hielt Alexander von Humboldt 16 öffentliche Vorträge im 800 Personen fassenden und meist überfüllten großen Saal der Berliner Singakademie über „Physikalische Geographie". Der Eintritt war kostenlos und jede Person hatte Zutritt; nachweisbar sind der Besuch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und eines anonymen Maurermeisters. Die außergewöhnliche Popularität des damals schon weltberühmten Wissenschaftlers, sein Talent, in freier Rede die komplizierten Sachverhalte allgemeinverständlich vorzutragen beförderten Humboldts erklärte Absicht, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse möglichst weit zu verbreiten, ein für die damalige Zeit ein völliges Novum.
Ca. zehn Jahre später beginnt er mit der Niederschrift des „Kosmos", die erst mit dem Tode des 90jährigen im Jahre 1859 beendet wird.
Staunend erfahren die heutigen Leser den Aufbau unseres Planetensystems, die Struktur unserer Erde, den Gebirgsarten, den Luft- und Wasserhüllen der Erde, den Klimaten, der Verbreitung der Tiere, der Abstammung des Menschen, den verschiedenen Rassen, das Fortschreiten der Erkenntnisse in Physik, Chemie usw. – kurz eine wunderbare Einführung zu Humboldts erklärtem Ziel, „die Erscheinungen im All und auf der Erde in ihrem allgemeinen Zusammenhang darzustellen, um daraus den inspirierenden Gedanken abzuleiten und zu propagieren, daß man die Natur als ein durch innere Kräfte bewegtes und in Entwicklung befindliches Ganzes begreifen müsse."
Dank der Initiative der Herausgeber und des Verlages, erschien zum 200jährigen Jahrestag der Rückkehr des Reisenden aus Amerika im Jahre 2004 das ursprünglich fünfbändige Werk, das von 1845 bis 1862 erschienen war, mit dem äußerst seltenen Atlas in einer Prachtausgabe.
Bei dem jetzt erneut edierten Werk handelt es sich um einen Nachdruck der 2004 erschienenen Ausgabe.
Klaus Küpper, BzL