Humboldt, Alexander von: Das große Lesebuch

Humboldt LesebuchHumboldt, Alexander von: Das große Lesebuch
Herausgegeben von Oliver Lubrich
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuchverlag, 2009. TB 90162. 339 S., kt., 13,50 €.
978-3-596-90162-3

„Die Thätigkeit der Naturforscher ... pflegt nach zwei Richtungen zu gehen. Sie bezweckt entweder die Anhäufung eines reichen Materials ... oder sie unternimmt die Verarbeitung der Resultate eigener und fremder Forschung zu einem Ganzen ... Humboldt's Leistungen sind in beiden Beziehungen sehr große, aber besonders sind diejenigen seiner Arbeiten merkwürdig und verdienstlich, wo er den Schatz eigener Erfahrungen und Beobachtungen mit den fremden aller Zeiten bis auf die Gegenwart herab in Verbindung bringt, und mit Klarheit die überraschendsten Resultate darlegt. ... Es blieb Humboldt das große Verdienst, eine unendliche Menge von Thatsachen, die zum Theil in den entlegensten Erdwinkeln beobachtet worden waren, mit eigenen Erfahrungen in Zusammenhang zu bringen ... es gelang Humboldt nachzuweisen, welche gewaltige Einwirkung die stille und passive Pflanzenwelt auf Bildung des Bodens, auf den Zustand der Völker und auf die geschichtliche Entwicklung des Menschengeschlechts seit der Urzeit geübt hat. ..." (Aus: Brockhaus Conversations-Lexikon von 1853. Bd. 8) Die in dem Lexikonartikel zum Ausdruck kommende Einschätzung, der man aus heutigen Sicht vorbehaltlos zustimmen mag, verdeckt die Tatsache, so Oliver Lubrich in seiner editorischen Notiz, daß die Leistungen Humboldt jahrzehntelang eben nicht als Resultate vernetzten Denkens wahrgenommen, sondern vielmehr nur in den jeweiligen Einzeldisziplinen rezipiert oder/und für ideologische Zwecke mißbraucht wurden. Die vorliegende Auswahl hat das Ziel, Humboldt als „Meister der kleinen Formen" zu entdecken und auf die „ungewohnte Form seiner Texte als eigene Poetik" (Lubrich) aufmerksam zu machen. Aus der kaum mehr zu überschauenden Fülle der unselbständigen Artikel hat der Herausgeber über 20 Texte in ungekürzter und unbearbeiteter Form ausgewählt, die von 1795 bis zum „Hilferuf" von 1859, sieben Wochen vor seinem Tod reichen. Das empfehlenswerte Lesebuch enthält außerdem den oben zitierten Lexikon-Artikel, viele Abbildungen auf die in den Beiträgen Bezug genommen wird, Daten zu Leben und Werk sowie zwei weitere Artikel aus Kindlers Literatur (sic) Lexikon. Unverzichtbar als Einführung und Weiterbeschäftigung mit Humboldt.
Klaus Küpper, BzL