Stephens, John Lloyd: Reiseerlebnisse in Centralamerika, Chiapas und Yucatan

Stephens Reise PioniereJohn Lloyd Stephens: Reiseerlebnisse in Centralamerika, Chiapas und Yucatan
Mit Karten, Plänen und über 100 teils farbigen Illustrationen von Frederick Catherwood.
Herausgegeben von Michael Uszinski.
Ungekürzte, kommentierte Neuausgabe [nach der 12. Originalausgabe von 1854 ins Deutsche übertragen von Eduard Hoepfner].
Berlin: Verlag der Pioniere, 2014. 959 S., m. über 100 z. T. farb. Abb. und 10 Karten, Ln., SU, 13,5 x 20,5 cm, 49,00 €.
O: Incidents of travel in Central America, Chiapas, and Yucatán.
978-3-941924-04-8
 
Der Band enthält den vollständigen Inhalt der amerikanischen Erstausgabe von 1841 in der sehr guten deutschen Übersetzung von Eduard Hoepfner, die 1854 in Leipzig erschien. Die Abbildungen der amerikanischen Ausgabe wurden durch einige Zeichnungen ergänzt, die Frederick Catherwood zusätzlich in seine britische Edition von 1854 aufnahm. Einige weitere Illustrationen, auf die sich Stephens bezieht, konnten den Werken anderer Reisender entnommen werden; die farbigen Abbildungen schließlich entstammen Catherwoods Londoner Prachtausgabe Views of Ancient Monuments.
Das Werk von John Lloyd Stephens deckt drei zentrale Bereiche aus dessen Geschichte ab:
– den politischen, denn zum Zeitpunkt der Reise hatte sich Mittelamerika bereits von seinem kolonialen Mutterland Spanien gelöst, die Machtverteilung zwischen den gesellschaftlichen Gruppen war aber noch umkämpft. Ebensowenig hatten sich die Staatengebilde endgültig herausgeformt, Bündnisse und Abspaltungen in schneller Folge ereigneten sich meist in revolutionärer, blutiger Form;
– den historischen, denn Stephens verfasste die erste vorurteilsfreie und nur an Fakten orientierte Würdigung der Maya-Kulturen und legte damit den Grundstein für die wissenschaftliche Erforschung der mesoamerikanischen Zivilisationen;
– den wirtschaftlichen, denn mit seiner Arbeit über den seit der Conquista erträumten Nicaragua-Kanal stellte Stephens die Vermessungsarbeiten des britischen Ingenieurs John Baily noch vor diesem selbst ausführlich vor.

John Lloyd Stephens (28. November 1805 – 13. Oktober 1852) hatte sich schon als junger Jurist einen Namen als Autor von interessanten Reisebeschreibungen gemacht. Seine Reisen durch Europa, den Nahen Osten und Ägypten verarbeitete er in zwei erfolgreichen Büchern – und sie weckten sein lebenslanges Interesse an alten Kulturen. Sein Verstand und seine Kenntnis der ägyptischen Ruinen verliehen ihm die Sicherheit, die Zivilisation der Maya als völlig eigenständige Kultur zu identifizieren, unbeeinflusst von Völkern anderer Kontinente.
In Rekordzeit veröffentlichte er seinen hier vorliegenden Bericht (der in den ersten sechs Monaten elf Auflagen erlebte) und brach mit seinem Freund, dem Briten Frederick Catherwood, binnen eines Jahres zu einer weiteren Reise nach Yucatán auf, bei der sie 44 alte Maya-Stätten besuchten. Mit 46 Jahren starb er in seiner Heimatstadt New York an der Malaria, die er sich bei seinen Reisen zugezogen hatte.

Sein Begleiter, der Londoner Architekt und Zeichner Frederick Catherwood (27. Februar 1799 – 27. September 1854), hatte ebenfalls bereits umfangreiche Erfahrungen bei der Untersuchung antiker Städte gesammelt, bevor er Stephens kennenlernte. Unabhängig voneinander hatten sie ähnliche Routen verfolgt und dieselben Stätten besucht, wobei Catherwood sich gründliche Kenntnisse über die detailgerechte Aufnahme der Ruinen erarbeitete. Nach ihrer zweiten Rückkehr aus Yucatán eröffnete er in New York eine Ausstellung mit seinen Zeichnungen und ihren mesoamerikanischen Funden und brachte eine prächtige farbige Ausgabe der Reisen mit Lithographien heraus. Eine weitere Ausgabe der Incidents of Travel in Central America erschien 1854 in London. Catherwood ertrank auf der Rückfahrt von London in die USA bei einem Schiffsunglück. (Aus der Verlagsinformation)