Caillois, Roger: Patagonien und weitere Streifzüge

Caillois PatagonienCaillois, Roger: Patagonien und weitere Streifzüge
Aus dem Französischen und mit Nachbemerkungen von Rainer G. Schmidt.
Graz: Literaturverlag Droschl, 2016. 126 S., 17,5 x 11,5 cm, englbr., 18,00 €.
978-3-85420-974-4

„Den wahren Dimensionen der Erde ausgeliefert, gezwungenermaßen achtsamer auf die Natur und weniger bedrängt durch seinesgleichen, findet der Mensch sich, ohne daß er es weiß, auf subtile Weise befreit.“
In diesen zum ersten Mal auf deutsch vorliegenden Essays umkreist Caillois eines seiner wichtigsten Themen, die so ephemere Anwesenheit der Spezies Mensch auf der Erde, von verschiedenen Seiten: sei es die ungeheuer abweisende Landschaft Patagoniens, seien es die Ebenen und Einöden des äußersten Südens Argentiniens, die wuchernden Dschungel Amazoniens oder die Steppen Sibiriens, aber auch surrealistische Objekte wie eine eigenartig bemalte Schneiderpuppe oder Albrecht Dürers rätselhafter Stich Melencolia bzw. die Beschäftigung des Malers mit Mineralien. Und hinter all dem entdeckt er in der äußersten Reglosigkeit der »toten Gesteine« die Wunder und Dynamiken eines anderen Lebens, Explosionen und Turbulenzen, die den Wundern der menschlichen Kunst vielleicht sogar überlegen sind – nicht nur an Dauer, sondern auch an Schönheit.
Caillois’ Schreiben ist streng und aufs Äußerste verdichtet: „An jenem Tag, an dem ich diese Notizen veröffentlichte, nicht ohne sie vorher von jedem anekdotischen oder malerischen Detail gereinigt zu haben, um meinen Seiten die Kargheit jener Landschaft zu verleihen, an jenem Tag wurde ich zum Schriftsteller wider Willen.“
(Verlagsinformation)

Roger Caillois, 1913 in Reims geboren, war Mitglied der Gruppe der Surrealisten (1932–35) und gründete 1938 mit Georges Bataille das Collège de Sociologie. Der Philosoph, Literaturtheoretiker und -kritiker unternahm zahlreiche Reisen in Europa, Amerika und Asien und lebte von 1941 bis 1945 in Buenos Aires. Er machte u. a. Jorge Luis Borges, Pablo Neruda, Miguel Ángel Asturias und Victoria Ocampo in Frankreich bekannt. 1971 wurde er in die Académie française aufgenommen. Viele seiner soziologischen, philosophischen, literaturkritischen und ästhetischen Schriften sind auch in deutscher Übersetzung erschienen. Roger Cailois starb 1978 in Paris.

Rainer G. Schmidt wurde 1950 im Saarland geboren, studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik und Soziologie an der Universität des Saarlands und in Marburg. Er ist Lyriker, Hörspielautor und Übersetzer (u. a. Arthur Rimbaud, Herman Melville, W.H. Hudson und Victor Hugo). Schmidt erhielt 1998 den Paul-Celan-Übersetzerpreis und 2015 den Paul-Scheerbart-Preis für seine Lyrik-Übersetzungen.