Vargas Llosa, Mario: Das Fest des Ziegenbocks

VargasLL Ziegenbock TBVargas Llosa, Mario: Das Fest des Ziegenbocks
Roman. Ü: Elke Wehr.
Berlin: Suhrkamp, 2011. st 4326. 767 S., HC., 10 x 15 cm, 10,00 €.
O: La fiesta del chivo. Madrid 2000.
978-3-518-46326-0

Niemals wird man erfahren, warum der mächtige Minister Agustín Cabral beim Diktator plötzlich in Ungnade gefallen ist, am allerwenigsten er selbst. Es gehört zu den Merkmalen der Herrschaft des Tyrannen Trujillo, auch seine engsten Mitarbeiter stets im Unklaren über seine nächsten Schritte zu lassen, damit sie in ständiger Angst vor ihm buckeln. Wohin diese Angst führt, erfährt die 14jährige Tochter Urania Cabral am eigenen Leib. Erst über 30 Jahre später bricht sie ihren Schwur, nie mehr in die Dominikanische Republik zurückzukehren und steht dann vor ihrem unter fortschreitender Demenz leidenden Vater. Ihre Anklage nimmt dieser wahrscheinlich nicht mehr wahr, und so muß ihre Tante am Schluß des Romans das Unglaubliche erfahren: Der Vater hatte, um wieder in Amt und Würden aufgenommen zu werden, seine Tochter dem „Großen Wohltäter" geschenkt. In diese Rahmenhandlung eingebettet ist die Schilderung der über 30jährigen Willkürherrschaft der Familie Trujillo, die erst mit der Ermordung des Familienoberhauptes ein Ende findet. Vargas Llosa erzählt gekonnt die schier unglaubliche Geschichte von Brutalität und Ausbeutung, von Mord und Verschwindenlassen, von der Korruptheit dieses Systems, aber auch von der Duldung dieses Diktators und seiner Hofierung durch die westliche Welt. Ein Roman, der unter die Haut geht.
Klaus Küpper, BzL

Elke Wehr wurde 1946 im sächsischen Bautzen geboren. 1961 flüchtete sie mit ihrer Familie aus der DDR nach Westdeutschland. Sie studierte Französisch und Italienisch in Paris und Heidelberg, wandte sich jedoch im Folgenden vor allem der spanischen Sprache zu. Wehr übersetzte unter anderem Texte von Roberto Arlt, Marco Denevi, Octavio Paz, Mario Vargas Llosa, Julio Cortázar, Alejo Carpentier, Jorge Semprún, Rafael Chirbes, Javier Marías und Manuel Rivas.
Sie trug mit ihren Übersetzungen wesentlich zur Bekanntheit dieser Schriftsteller im deutschsprachigen Raum bei und wurde zu einer der wichtigsten Vermittlerinnen zeitgenössischer Literatur aus Lateinamerika und Spanien.
Im Jahr 2006 wurde Elke Wehr für ihr Gesamtwerk, vor allem aber für ihre Übertragung des Romans Yo, el Supremo (Ich, der Allmächtige) von Augusto Roa Bastos mit dem Paul-Celan-Preis für herausragende Übersetzerleistungen ausgezeichnet.
Elke Wehr verstarb am 27.6.2008 in Berlin.

Der Autor:


Vargas-Llosa(c)JerryBauer SVMario Vargas Llosa wurde am 28.3.1936 in Arequipa geboren.
Er besuchte zwei Jahre lang die Kadettenanstalt in Lima, studierte Philologie und promovierte über Ruben Darío. Die sogenannte Padilla-Affäre 1971 führte zum Bruch mit dem Sozialismus und seiner Freundschaft mit Gabriel García Márquez, dessen erbitterter Gegner er war.
Vargas Llosa schreibt Essays, Romane, Erzählungen, Theaterstücke. Seine bedeutendsten Romane sind „Die Stadt und die Hunde", „Das grüne Haus", „Gespräch in der ‚Kathedrale'" und „Der Krieg am Ende der Welt" - siehe dazu auch: BzL 2002/03ff.).
Im Jahre 2010 erhielt Vargas Llosa den Literatur-Nobelpreis.
(Foto: © Jerry Bauer/Suhrkamp Verlag)

Titel:
Die Enthüllung (Hörbuch)