Belli, Gioconda: Bewohnte Frau

Belli Frau SABelli, Gioconda: Bewohnte Frau
Aus dem nicaraguanischen Spanischen von Lutz Kliche.
München: dtv, 2011. Jubiläumsedition 2011. 445 S., geb., 10,00 €.
O: La mujer habitada.
978-3-423-19516-4 

Lavinia, eine attraktive, emanzipierte junge Frau aus der Oberschicht eines lateinamerikanischen Landes, kehrt in ihre Heimat zurück, um als Architektin Karriere zu machen. Sie beginnt, ihr Leben einzurichten. Die Konfrontation mit der Wirklichkeit ihres Landes, der sie nicht ausweicht, ihre Freundschaft mit der Krankenschwester Flor, ihre Liebesbeziehung zu ihrem Kollegen Felipe verändern ihren Alltag und grundlegend ihre Haltung. Sie schließt sich dem Widerstand gegen die Diktatur an. Als Gegenpol und Spiegelfläche erzählt Autorin in einer Parallelgeschichte von Itzá, einer historischen Gestalt aus dem indianischen Widerstand aus der Zeit der Conquista. Sie ist Symbol und Stimme für den nie abreißenden Freiheitswillen.
Der Roman erschien wegen Papiermangel in Nicaragua 1988 zunächst in Deutschland, erhielt den Preis für das politische Buch von der Friedrich-Ebert-Stiftung, erlebte schnell mehrere Auflagen, war er doch wie geschaffen für die Leserinnen und Leser der Solidaritätsbewegung für die Sandinistas.
Inzwischen hat Ernüchterung sich breitgemacht und nur aus dieser Entfernung ist der Roman heute noch mit Gewinn zu lesen.
Klaus Küpper, BzL

Lutz Kliche ist Hispanist und verbrachte fünfzehn Jahre in Zentralamerika und Mexiko, wo er als Übersetzer und im Kulturbereich arbeitete. Heute lebt er als Übersetzer aus dem Spanischen und Englischen in Deutschland. Er übertrug u. a. Werke von Ernesto Cardenal, Eduardo Galeano, Gioconda Belli, Sergio Ramírez, Rodolfo Walsh und Fernando del Paso.

Die Autorin:

Gioconda Belli 2013 Suyen TorresGioconda Belli wurde am 9. Dezember 1948 in Managua geboren.
Der bürgerlichen Oberschicht entstammend, konnte sie in Spanien und den USA studieren. Sie schloß sich nach ihrer Rückkehr im Jahre 1970 den Sandinisten an und mußte nach einer Guerilla-Aktion nach Mexiko und Costarica ins Exil gehen. Nach dem Sieg der Sandinistas (1979) arbeitete sie in verschiedenen kulturpolitischen Ämtern der Revolutionsregierung. Enttäuscht über die Politik der der Sandinisten brach sie Anfang der 90er Jahre mit der Bewegung, die sie in ihren Gedichten oft besungen hatte. Zahlreiche Gedichtbände und Romane sind ins Deutsche übersetzt worden und erlebten mehrere Auflagen (siehe dazu: Bücher zu Lateinamerika, Gesamtverzeichnis 2002/03ff.).
(Foto: Suyen Torres © bei der Autorin)

Titel:
Als die Bäume davonflogen
Mondhitze
Die Frau, die ich bin
Davor, die Jugend / En la avanzada juventud
Die Republik der Frauen
Tochter des Vulkans
Ich bin Sehnsucht, verkleidet als Frau
Unendlichkeit in ihrer Hand
Bewohnte Frau