Dalton, Roque: Die Welt ist ein hinkender Tausendfüssler

Dalton MarmolDalton, Roque: Die Welt ist ein hinkender Tausendfüssler
Das Jahrhundert des Miguel Mármol.
Aus dem salvadorianischen Spanisch von Michael Schwahn und Andreas Simmen.
Zürich: rotpunktverlag, 1997. 415 S., geb., SU., 24,00 €.
O: Miguel Mármol. Los sucedes de 1932 en El Salvador. San José, Costa Rica 1972.
978-3-85869-072-2 (nur noch über den Verlag lieferbar)

Der Roman ist die Geschichte des Miguel Mármol, der 1905 in Ilopango, El Salvador geboren wurden und als Initiator des Bauernaufstandes von 1932 berühmt wurde. Er erzählte 1966 in Prag dem Schriftsteller Roque Dalton sein Leben, der aus den Protokollen dieses wunderbare Zeugnis eines Kämpferlebens schuf. Miguel Mármal hatte Schumacher gelernt, die kommunistische Partei El Salvadors gegründet, baute Arbeiterorganisationen auf und schulte Campesinos. Der Kampf gegen die brutale Diktatur des Martínez in El Salvador in den Jahren 1931-1944 steht im Mittelpunkt seines Lebens. Mit unzähligen Episoden und Anekdoten ist dieser Testimonio-Roman gespickt, der damit die pikaresken Züge seines Helden offenbart. Mármol entging in diesen Kämpfen so häufig dem sicheren Tod, daß er an eigene übernatürliche Kräfte glaubte.
Das Buch ist ein unbedingtes Muß für alle an Lateinamerika interessierten Leser und Leserinnen.
Klaus Küpper, BzL 1997/98.

Der Autor:

DaltonRoque Dalton wurde am 14.5.1935 in in San Salvador geboren. Er studierte Jura in Santiago de Chile und San Salvador. Als Mitgied der Kommunistischen Partei seiner Heimat wurde er zweimal zum Tode verurteilt; einmal rettete ihn der Sturz des Diktators López vor der Exekution, beim zweiten Mal konnte er während eines Erdbebens fliehen. Verschiedene längere Aufenthalte und Zeiten des Exils u.a. in Mexiko, Kuba und der Tschechoslowakei. Nach seiner heimlichen Rückkehr nach El Salvador schloss er sich der Revolutionären Volksarmee an und wurde wegen einer gezielten falschen Information des CIA von den eigenen Genossen am 10.5.1975 in Quezaltepeque ermordet.
Roque Dalton gehört zu den bedeutendsten mittelamerikanischen Autoren. In deutscher Übertragung erschienen neben zahlreichen Texten in Anthologien und Zeitschriften die Romane „Armer kleiner Dichter, der ich war“ (1985), „Die Welt ist ein hinkender Tausendfüssler“ (1997), ein Band mit Texten in vielfältigen Formen (Lyrik, Prosa, Zitate, Dokumente, Anekdoten u.a.m.) „Däumlings verbotene Geschichten“ (1989) und zwei Gedichtauswahlen „Y otros lugares / und andere Orte“ (1981) und „Poesiealbum“ (1987).

„Roque Dalton brachte sogar die Steine zum Lachen ... Die Lyrik Roques war wie er: zärtlich, bissig, kämpferisch. Wie gelang es dem Tod, ihn einzuholen?“ (Eduardo Galeano)

(Foto: Salvador Corratgé)