Dalton, Roque: ¡Fusilemos la noche! / Erschießen wir die Nacht!

Dalton NachtDalton, Roque: ¡Fusilemos la noche! / Erschießen wir die Nacht!
Gedichte spanisch und deutsch.
Auswahl und Übersetzung von Erich Hackl und Tina Leisch.
Mit einem Dokumentarfilm über Roque Dalton von Tina Leisch und einem Text von Horacio Castellanos Moya.
Klagenfurt: Verlag Johannes Heyn, 2015. Edition Meerauge. 106 S., br. m. 1 DVD, 19,90 €.
O (Auswahl): No pronuncies mi nombre. Poesía Completa I-III. San Salvador 2005+2008.
978-3-7084-0553-7
„Aída, erschießen wir die Nacht
und das schreckliche kollektive Elend ...
Es gilt, wieder Puppen zu fertigen
und es gilt, Mais in den Städten zu pflanzen.
Es gilt, die Wolkenkratzer zu sprengen
und Platz zu schaffen für den Weizen ...
erschießen wir den Hass
und das schreckliche kollektive Elend.“

Wer Roque Dalton noch nicht oder nur wenig kennt, sollte sich zunächst diesen hervorragenden und preisgekrönten Dokumentarfilm aus dem Jahr 2013 von Tina Leisch ansehen!
In ihrem Film treten eine Reihe von Zeitzeugen, Freundinnen und Lebensgefährten des Dichters auf und schildern ihre gemeinsame Arbeit in El Salvador und in den verschiedenen Ländern seines Exils (und ihre gemeinsame Leidenszeit im Gefängnis). Wie lebendig Dalton noch in seiner Heimat ist – über vierzig Jahre nach seinem Tod – dokumentieren seine Landsleute, darunter viele Jugendliche, die seine Gedichte mit Leidenschaft vortragen. Auch die Umstände seines Todes werden eindrucksvoll geschildert, selbst seine wegen Verjährung (!) nicht verurteilten Mörder kommen zu Wort.
Der Film ist ein spannendes Porträt eines unbestechlichen politischen Kämpfers und bringt uns die aktuelle und fast vergessene politische Situation in dem kleinen mittelamerikanischen Land näher.
Ein längerer Essay von Daltons Landsmann Castellanos Moya ergänzt den Film und ist hilfreich für das Verständnis eines oft widersprüchlichen Lebens - die Vita eines Schriftstellers und Dichters, der, so schreibt Castellanos Moya, „sich dem politischen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit verbunden weiß; andererseits das Modell des verwegenen, subversiven, provokanten, repektlosen Dichters, der Villon näher steht als Majakowski.“
Die 33 ausgewählten Gedichte sind dem dreibändigen Gesamtwerk entnommen. Lediglich acht Texte erschienen in anderer Übersetzung in dem längst vergriffenen Auswahlband „Y otros lugares / Und andere Orte“ aus dem Jahre 1981.
Eine empfehlenswerte und verdienstvolle Edition, der viele Nutzer zu wünschen sind!
Klaus Küpper, BzL

Der Übersetzer und Schriftsteller Erich Hackl wurde am 30.5.54 in Steyr/Ober-Österreich geboren. Er hat Germanistik und Hispanistik studiert und ein paar Jahre als Lehrer für Deutsch und Spanisch und als Lektor gearbeitet. Seit langem lebt er als freier Schriftsteller, Publizist und Übersetzer in Madrid und Wien. Zu seinem bekanntesten Werk gehört „Auroras Anlass“. Er übersetzte u.a. Werke von Luis Fayad, Eduardo Galeano, Rodrigo Rey Rosa, Idea Vilariño und Rodolfo Walsh.

Augustine „Tina“ Leisch, geboren in München, ist Regisseurin, Journalistin und politische Aktivistin, die in Österreich lebt. Sie selbst beschreibt sich als „Text-, Film- und Theaterarbeiterin“. Für ihren Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise, u. a. 2014 den Jury Award für den besten Dokumentarfilm beim Cine Las Americas International Film Festival für den hier beiliegenden Film über Roque Dalton. (Quelle: Wikipedia)

Der Autor:

DaltonRoque Dalton wurde am 14.5.1935 in in San Salvador geboren. Er studierte Jura in Santiago de Chile und San Salvador. Als Mitgied der Kommunistischen Partei seiner Heimat wurde er zweimal zum Tode verurteilt; einmal rettete ihn der Sturz des Diktators López vor der Exekution, beim zweiten Mal konnte er während eines Erdbebens fliehen. Verschiedene längere Aufenthalte und Zeiten des Exils u.a. in Mexiko, Kuba und der Tschechoslowakei. Nach seiner heimlichen Rückkehr nach El Salvador schloss er sich der Revolutionären Volksarmee an und wurde wegen einer gezielten falschen Information des CIA von den eigenen Genossen am 10.5.1975 in Quezaltepeque ermordet.
Roque Dalton gehört zu den bedeutendsten mittelamerikanischen Autoren. In deutscher Übertragung erschienen neben zahlreichen Texten in Anthologien und Zeitschriften die Romane „Armer kleiner Dichter, der ich war“ (1985), „Die Welt ist ein hinkender Tausendfüssler“ (1997), ein Band mit Texten in vielfältigen Formen (Lyrik, Prosa, Zitate, Dokumente, Anekdoten u.a.m.) „Däumlings verbotene Geschichten“ (1989) und zwei Gedichtauswahlen „Y otros lugares / und andere Orte“ (1981) und „Poesiealbum“ (1987).

„Roque Dalton brachte sogar die Steine zum Lachen ... Die Lyrik Roques war wie er: zärtlich, bissig, kämpferisch. Wie gelang es dem Tod, ihn einzuholen?“ (Eduardo Galeano)

(Foto: Salvador Corratgé)