Fuentes, Carlos: Die fünf Sonnen Mexikos

Fuentes SonnenFuentes, Carlos: Die fünf Sonnen Mexikos
Ein Lesebuch für das 21. Jahrhundert
Aus dem Spanischen von Maria Bamberg, Lisa Grüneisen, Ulrich Kunzmann u. a.
Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2010. 542 S., geb., 22,95 €.
O: Los cinco soles de México/Meoria de un milenio
978-3-10-020754-8

„Das Buch hat es sich zum Ziel gemacht, am Anfang eines neues Jahrtausends an die außerordentlichen Ereignise des vergangenen Jahrtausends in Mexiko zu erinnern." Eine große Aufgabe, die sich Fuentes hier gestellt hatte, als er vor zehn Jahren Teile aus seinen Prosatexten und Essays zu einem großen Lesebuch der mexikanischen Geschichte zusammenstellte. Denn im Unterschied zu beispielsweise Argentinien, das (nur) einen Anfang hat, besitzt Mexiko dagegen einen Ursprung, so der argentinische Autor Caparrós. Und so erzählt Fuentes uns von den Ursprüngen, den Mythen des alten Mexiko, von der ersten Sonne, der des Wassers, der zweiten, der der Erde, der dritten, der des Feuers, der vierten, der des Windes und der fünften Sonne, der letzten, die eines Tages verschwinden wird und mir ihr die Menschheit.
Zu den Texten, die ausschnittweise in dem großen Mosaik Verwendung fanden, gehören u.a. die bekannten und schon übersetzten Romane und Prosaanthologien „Verhüllte Tage", „Terra Nostra", „Christoph ungeborn", „Landschaft in klarem Licht", „Der Tod des Artemio Cruz" un, „Der alte Gringo".
Bisher noch nicht übersetzt waren „Die Mestizisierung", die mit der Geburt des ersten Mexikaners Martín, dem Sohn von Cortéz und der Malinche ihren Anfang nahm (ein Thema übrigens, das Fuentes immer wieder beschäftigte). Im Dialog der beiden „Martíns" (zwei Söhne des Cortéz hießen Martín) entsteht das pralle Bild der frühen Kolonie mit seiner Aufständen und den Prozessen um Land und Macht. Es folgen nach dem Kampf um die Unabhängigkeit die Zeiten der Diktatoren, der Sieg Benito Juárez´ und die mexikanische Revolution von 1910.
Ein weiterer, erstmals übersetzter Abschnitt erzählt die Geschichte des ermordeten Rubén Jaramillo, der sich für die Zuckerrohrbauern einsetzte und dafür mit seinem Leben bezahlte. Im vorletzten Beitrag nimmt Fuentes zu den Ereignissen in Chiapas Stellung, während seine Rede anläßlich der Verleihung der höchsten Auszeichnung der mexikanischen Regierung noch einmal alle Forderungen enthält, für die er immer seine Stimme erhoben hat: Bildung für alle, Kampf der Korruption und Willkürherrschaft, Emanzipation der Frau, Umweltschutz, Demokratisierung der Gesellschaft und Kontrolle des Marktes. Ein lesenswertes, sprachmächtiges Testament eines großen Erzählers, das im übrigen dazu einlädt, die älteren Texte noch einmal zu lesen.
Klaus Küpper, BzL

Die Übersetzerin Maria Bamberg wurde 1915 in Berlin geboren. 1923 reiste sie mit den Eltern nach Patagonien und kehrte 1929 nach Berlin zurück. Ab 1935 lebte sie erneut in Patagonien, wo sie als Hauslehrerin und Deutsch- und Englischlehrerin an der Universität in Córdoba arbeitete. 1963 Rückkehr nach Berlin. Maria Bamberg gehört zu den bedeutendsten Vermittlern spanisch-sprachiger Literatur und sorgte beispielsweise dafür, dass Werke von Octavio Paz und Carlos Fuentes in angemessenen deutschen Ausgaben erschienen.
U. a. übersetzte sie Werke von José María Arguedas und Antonio de Benedetto. 1998 erschienen ihre Memoiren (Ella und der Gringo mit den großen Füßen). 2005 erhielt sie für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz.

Der Autor:

FUENTES Carlos 123 DruckCarlos Fuentes wurde am 11.11.1928 in Panama-Stadt geboren.
Wie sein Vater wurde er Diplomat und vertrat sein Land in New Delhi, Washington, London und Paris. In Paris lebte er von 1968 bis 197 aus Protest gegen das Massaker an den Studenten auf der Plaza de las tres Culturas in Mexiko-Stadt im „Exil". In den siebziger Jahren war Fuentes Botschafter in Paris. Seit 1990 lebt Fuentes in Europa.
Für sein Werk erhielt er 1987 den höchsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt, den Premio Cervantes. 
Hauptthemen seiner Werke sind die Erkundung menschlicher Schicksale und deren soziale Basis in der Geschichte Mexikos. Vor allem die nicht eingelösten Ideale und Versprechen der mexikanischen Revolution stehen im Vordergrund, wobei die Durchdringung der Gegenwart von der Vergangenheit her auch seine Sprache und die vielfältigen stilistischen Mittel bestimmt. Zu seinen bekanntesten und bedeutendsten Werken gehört die Sammlung von Erzählungen (Chac Mool) sowie die Romane "Landschaft in klarem Licht" (La región más transparente), "Nichts als das Leben" (La muerte de Artemio Cruz), "Hautwechsel" (Cambio de piel) und das monumentale Werk "Terra Nostra" (Terra Nostra). (Besprechungen in Bücher zu Lateinamerika, Gesamtverzeichnis 2002/03ff.)
Carlos Fuentes starb am 15.5.2012 in Mexiko-Stadt.
(Foto: © privat)

Titel:

Landschaft in klarem Licht
Die fünf Sonnen Mexikos
Alle glücklichen Familien
Unheimliche Gesellschaft