Arreola, Juan José: Jahrmarkt

Arreola. JahrmarktArreola, Juan José: Jahrmarkt
Roman. Aus dem mexikanischen Spanisch von Georg Oswald.
Mit einem Vorwort von Marco Aurelio Larios und einem Nachwort von Marco Aurelio Campos.
Wien: Septima Verlag, 2010. 251 S., geb., 20,90 €.
O: La Feria.
978-3-902711-01-4

Arreolas einziger Roman, an dem er etwa zehn Jahre arbeitete, besteht aus einem 288 Teile umfassenden Mosaik von vielschichtigen Fragmenten aus zahlreichen Episoden und Themenkreisen des Lebens, bzw. Überlebens (wie Reichardt schreibt), die in seiner Heimatstadt Zapotlán im Bundesstaat Jalisco angesiedelt sind und die zudem erzählt sind mit einer wunderbaren Vielfalt von Tonlagen und mit Witz und schwarzem Humor. Es sind kleine Prosastückchen, Geschichten von Katastrophen, von ver-rückten Leuten, von Liebesdramen; die handelnden Personen sind Pfarrer und Prostituierte, Händler und Handwerker, Dichter und Indianer, kurz ein wunderbarer Flickenteppich, dieser Marktplatz des menschlichen Lebens in einer mexikanischen Kleinstadt. Aber der Roman ist noch mehr: Er „stellt insgesamt eine Werk des Cronotopos im Sinne des russischen Literaturtheoretikers Michael Bachtin dar", schreibt Marco Aurelio Larios in seiner Einleitung, „in dem der Schriftsteller die verflossene Zeit an einem Ort zu sehen vermag." In den Geschichten des Romans, den Beobachtungen und Kommentaren, steckt auch die Geschichte der Region, der Streit um das Indianerland, die Eroberung und die Evangelisierung. Es ist ein Roman, „in dem sich das wunderbare verbale Feuerwerk mit dem Blick eines Geschichtsforschers der Sitten und der Seele vereint, unparteiisch und gleichzeitig ironisch", zitiert Marco Antonio Campos den Landsmann Octavio Paz in seinem im übrigen wertvollen und informativen Nachwort, das die Leserinnen und Leser über manche historischen und regionalen Hintergründe aufklärt, die wertvoll sind für das gründliche Verständnis des Romans. "In Ihren Geschichten finde ich eine Verwandtschaft, die mich rührt, die sich Ihre Freundschaft wünscht.
Es ist genau diese souveräne Frische, mit der Sie Ihre Wortbäume pflanzen." Julio Cortázar in einem Brief an Juan José Arreola.
Das schön gestaltete Büchlein des noch jungen Verlags aus Wien hat der bedeutende mexikanische Bildhauer, Maler und Grafiker Vicente Rojo mit kleinen Vignetten aus der Originalausgabe geschmückt, die die Episoden kennzeichnen und gleichzeitig voneinander trennen.
Klaus Küpper, BzL

Georg Oswald studierte Deutsche Philologie sowie Europäische Ethnologie an den Universitäten Graz und Wien. Nach Lehr- und Forschungsaufenthalten in Ungarn und Mexiko befasste er sich mit den "Mexikobildern in der österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts". Er unterrichtete von 1995 bis 1998 an der Universidad de Guadalajara, Mexiko, deutsche Literatur und begann in dieser Zeit mit literarischen Übersetzungen mexikanischer Autoren. 1998 erschien die Übersetzung von Krieg im Paradies von Carlos Montemayor, ein Roman, der die Aufstandsbekämpfung einer Bauernguerilla im mexikanischen Bundesstaat Guerrero thematisiert. 

Der Autor:

Arreola Juan-joseJuan José Arreola wurde am 21.9.1918 in Ciudad Guzmán/Jalisco geboren.
Er war Autodidakt, arbeitete u.a. als Bäcker, Drucker und Schauspieler. In den frühen 40er Jahren gab er zusammen mit Juan Rulfo die Zeitschrift „Pan" heraus. Später gründete er eine bedeutende Buchreihe und machte sich um die Förderung junger Autoren verdient. Arreola hat ähnlich wie Rulfo mit einem relativ schmalen Werk die Literatur seines Landes beeinflußt. Die einzige deutsche Übersetzung seines bekanntesten Buches, „Confabularium" (dt. 1980), eine Sammlung von kleinen und kleinsten Prosastückchen (Anekdoten, Satiren, Parabeln, Skizzen), in denen er teils ironisch-satirisch, teils skeptisch die Vielfalt seiner Stoffe behandelt, wurde leider kaum zur Kenntnis genommen und ist (daher zum Glück) immer noch lieferbar. "In Ihren Geschichten finde ich eine Verwandtschaft, die mich rührt, die sich Ihre Freundschaft wünscht.
Es ist genau diese souveräne Frische, mit der Sie Ihre Wortbäume pflanzen." Julio Cortázar in einem Brief an Juan José Arreola.
Juan José Arreola starb am 3.12.2001 in Guadelajara.
(Foto: © Septime Verlag)

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Jahrmarkt