Kunst um Humboldt

Kunst HumboldtKunst um Humboldt
[Katalogbuch zu Ausstellung] Katalog und Redaktion: Sigrid Achenbach
Reisestudien aus Mittel- und Südamerika von [Johann Moritz] Rugendas, [Ferdinand] Bellermann und [Eduard] Hildebrandt im Berliner Kupferstichkabinett [vom 13. November 2009 bis 11. April 2010].
München: Hirmer, 2009. 275 S., ca. 280 Abb. in Farbe und 100 s/w, 5 Karten, englbr., 19,90 €.
978-3-7774-22619

Wir alle kennen die prachtvollen, mit vielen hervorragenden Abbildungen ausgestattenen Werke Humboldts, die vor allem in jüngster Zeit anläßlich der diversen Gedenktage herausgegeben wurden. Sie sind teilweise ausgestattet mit seinen eigenen Zeichnungen und Skizzen für die er sich vor seiner großen Reise ausbilden ließ. Weniger bekannt sind demgegenüber die berühmten, aber dennoch zeitweise in Vergessenheit geratenen Werke, die auf seine Anregung hin entstanden und vom preußischen Hof angekauft wurden. Humboldts unermüdlicher Förderung der Künstler ist es zu verdanken, daß wir heute Zeugnisse der frühen Reisen von Künstlern bewundern können, die uns ein einzigartiges Abbild von Flora und Fauna, von Dörfern, Städten und Landschaften, ihren Bewohnern und ihren Sitten und Gebräuchen bewahrt haben. Humboldt gilt damit als Begründer einer „Reisekunst", die ihre Blüte im 19. Jahrhundert erlebte.
Der bedeutendste „Reisemaler" dieser Zeit war zweifellos der aus einer Künstlerfamilie stammende Johann Moritz Rugendas (1802 – 1858) aus Augsburg. Er verbrachte viele Jahre in Lateinamerika und brachte tausende von künstlerischen Arbeiten von seinen Reisen mit. Bereits als 20jähriger nahm er an einer drei Jahre dauernden Reise nach Brasilien teil; 1831 – 1847 bereiste er Mexiko, Chile, Peru, Bolivien, Argentinien, Uruguay und nochmals Brasilien. Ferdinand Bellermann (1814 – 1889) stammte aus Berlin und hielt sich von 1842 bis 1845 in Venezuela auf, wo er viele Orte besuchte, die Humboldt vierzig Jahre zuvor bereist hatte. Schwerpunkt seiner Arbeiten sind die vielen Bleistiftszeichnungen von Landschaften, Pflanzen und Bäumen, die durch ihre Präsision bestechen. Der aus Danzig stammende Eduard Hildebrandt (1817 – 1868) war 1844/45 für ein Jahr in Brasilien, und zwar in der Küstenregion zwischen São Paulo und Recife. Seine Arbeiten enthalten vor allem Abbildungen von Landschaften, Bäume und Pflanzen aber auch Stadtpanoramen und Genreszenen aus der Bevölkerung.
Der ausgezeichnet gemachte Katalog enthält eine informative Einleitung der Kuratorin Sigrid Achenbach, einen Aufsatz zur Geschichte der Sammlung sowie kurze Porträts der Künstler. Die meisten Abbildungen sind ausführlich und ausreichend kommentiert; eine Bibliographie der erwähnten Werke schließt den Band ab.
Der Katalog ist eine unentbehrliche Quelle für alle an der Geschichte des Kontinents und seiner Bewohner interessierten Leserinnen und Leser.
Klaus Küpper, BzL