Vásquez, Juan Gabriel: Die Informanten

g-Vasquez InformantenVásquez, Juan Gabriel: Die Informanten
Roman. Aus dem Spanischen von Susanne Lange
Frankfurt a. M.: Schöffling & Co., 2010. 378 S., geb., 22,90 €. (vergriffen)
O: Los informantes.
978-3-89561-005-9
- dass.: - Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2011. TB 19158. 378 S., kt., 9.99 €.
978-3-596-19158-1

Wie viele andere Länder Südamerikas war auch Kolumbien Ziel vieler rassisch und politisch Verfolgter aus dem Herrschaftsbereich des nationalsozialistischen Terrors. Sie trafen hier auf Deutsche und Österreicher, die schon Generationen vorher eingewandert waren und nicht selten die Naziherrschaft begrüßten. 1941 sah sich die kolumbianische Regierung auf Druck der USA gezwungen, ihre Neutralität aufzugeben und sich eindeutig gegen die Achsenmächte zu verhalten. Dazu gehörte die Einrichtung einer schwarzen Liste, auf der die Deutschen, die mit Hitler sympathisierten (und analog dazu, Verdächtige aus Italien und Japan), verzeichnet wurden. Damit war der Denunziation Tür und Tor geöffnet und es entstand eine Atmosphäre von Mißtrauen und Angst. Die auf dieser Liste erfaßten Personen mußten ins Landesinnere umziehen und verloren ihre bürgerliche Existenz.
Eigentlich durch Zufall gerät der Protagonist des Romans, der Journalist Gabriel Santoro, auf die bisher verborgenen Geschehnisse dieser „vergessenen" Zeit. Der Verriß seines Buches über Sara Gutermann, ein Kind jüdischer Flüchtlinge, deren Familie in den dreißiger Jahren nach Kolumbien gekommen war, löst ein Kettenreaktion aus: der Kritiker seines Buches ist sein Vater, ein bekannter Professor für Rhetorik. Santoro kann sich die Reaktion seines Vaters nicht erklären und erst langsam im Laufe der Lektüre des Romans erschließen sich für ihn bei seinen weiteren Forschungen – und damit auch für die Leser – die Ereignisse der Vergangenheit mit ihren verborgenen Geheimnissen. Eine Vergangenheit, die eben nicht vergangen ist und schließlich auch noch den Protagonisten auf subtile Weise einholt.
Der Roman, der auch die Geschichte eines Vater-Sohn-Konfliktes ist, ist ein meisterhaft und raffiniert konzipiertes Stück Prosa. Bei der Lektüre ist eine große Aufmerksamkeit gefordert, will man nicht schon bei den ständig wechselnden und manchmal verwirrenden Zeit- und Erzählebenen die Orientierung verlieren.
Klaus Küpper, BzL

Susanne Lange wurde am 5. Juli 1964 in Berlin geboren. Sie studierte Komparatistik, Germanistik und Theaterwissenschaft. Seit 1992 arbeitet sie als freie Übersetzerin vor allem für spanischsprachige Literatur. Darüber hinaus ist sie als Herausgeberin und Gutachterin im Bereich spanischsprachiger Literatur tätig. Lange hat bisher u.a. Werke von Miguel de Cervante Saavedra, Juan Rulfo, Luis Cernuda, Federico García Lorca, Juan Gabriel Vásquez, Yuri Herrera, Carlos María Domínguez, Javier Marías und Antonio Ungar. Sie wurde mehrmals für ihre Arbeit ausgezeichnet (so für ihre Neuübersetzung des „Don Quijote"). Susanne Lange lebt in München und bei Barcelona.

Der Autor:

Vasquez Juan GabrielJuan Gabriel Vásquez wurde 1973 in Bogotá geboren und studierte lateinamerikanische Literatur an der Sorbonne. Seine preisgekrönten Romane, Erzählungen und Essays wurden bisher in 16 Sprachen übersetzt. 2011 wurde Vásquez mit einem der wichtigsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt ausgezeichnet - dem Alfaguara-Literaturpreis.   
Nach 16 Jahren in Europa lebt Juan Gabriel Vásquez seit 2012 mit seiner Familie wieder in Bogotá.
(Foto: © Nina Subin)

Titel:

Die Reputation
Das Geräusch der Dinge beim Fallen (Hörspiel)
Das Geräusch der Dinge beim Fallen 
Die Liebenden von Allerheiligen
Die geheime Geschichte Costaguanas
Die Informanten