Alape, Arturo: Porträt des Killers als junger Mann

Alape.PorträtAlape, Arturo: Porträt des Killers als junger Mann
Thriller aus Kolumbien. Aus dem Spanischen von Richard Groß.
Im Anhang: Vom Leben in Bogotá und Schreiben im Exil. Übersetzt von Erich Hackl.
Köln: Edition Köln, 2010. Krimi & Co. 173 S., br., € 9,95
O: Sangre Ajena
978-3-941795-21-1

„Sie haben meine Erinnerungen aufgestachelt, jetzt müssen sie meine Erinnerungen auch niederschreiben. Ich hoffe nur, daß ihr Verstand und ihr Gewissen dabei nicht irre werden", sagt der 19jährigen Ramón Schrott zum Erzähler. Was Arturo Alape dann niederschreibt, ist in der Tat geeignet, die Leser/-innen zu schockieren. Es ist das Leben eines Kindes von seinem sechsten bis dreizehnten Lebensjahr. Als er neun Jahre alt ist, fliehen er und sein zwölf Jahre alter Bruder Nelson aus der häuslichen Misere (Vater, Maurer und ewig betrunken, Mutter verdient den Lebensunterhalt durch Sammeln und Verkauf von Müll) nach Medellín, wo sie zu Killern ausgebildet werden. Alape gelingt es in diesem spannenden Roman, der Brutalität dieses Überlebenskampfes eine adäquate Stimme zu verleihen. Hier wird nichts beschönigt oder moralisch angeklagt: „Und glauben sie ja nicht, daß ich sowas wie Reue fühle. Reue, Schuld ... die reinste Scheiße!"
Im Anhang der neuen Ausgabe (die erste Auflage erschien 2003 unter dem Titel „Das Blut der Anderen") beschreibt der Autor die für uns unbegreifliche Brutalität der politischen Auseinandersetzungen in Kolumbien und die Auswirkungen auf sein eigenes Leben.
Kein Buch für zarte Gemüter, unbedingt lesen!
Klaus Küpper, BzL

Der Übersetzer und Schriftsteller Erich Hackl wurde am 30.5.54 in Steyr/Ober-Österreich geboren. Er hat Germanistik und Hispanistik studiert und ein paar Jahre als Lehrer für Deutsch und Spanisch und als Lektor gearbeitet. Seit langem lebt er als freier Schriftsteller, Publizist und Übersetzer in Madrid und Wien. Zu seinem bekanntesten Werk gehört „Auroras Anlass". Er übersetzte u.a. Werke von Luis Fayad, Eduardo Galeano, Rodrigo Rey Rosa, Idea Vilariño, Humberto Ak'abal und Rodolfo Walsh.

Der Autor:

Arturo Alape, der eigentlich Carlos Ruiz heißt, urde am 3.11.1938 in Santiago de Cali geboren und ist am 7.10.2006 in Bogotá verstorben. Er war Prosaautor, Historiker, Journalist, Maler und in den sechziger Jahren comandante político bei der kolumbianischen Guerilla-Organisation FARC. In einem Slumviertel von Bogotá arbeitete er mit gefähreten Jugendlichen. Lebte über drei Jahre im Exil in Kuba und ein Jahr in Hamburg. Er behandelte in seinen Texten die politischen Verhältnisse in Kolumbien, um „das Schweigen aufzubrechen, das Angst und schlechtes Gewissen um viele Geschehnisse errichtet haben." (Reichardt)

Titel:

Porträt des Killers als junger Mann