Abad, Héctor: Brief an einen Schatten

Abad.BriefAbad, Héctor: Brief an einen Schatten
Eine Geschichte aus Kolumbien.
Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg.
Berlin: Berenberg, 2009. 194 S., Hln., 24,00 €.
O: El olvido que seremos.
978-3-937834-28-3

Der „Brief an einen Schatten" erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Vater und Sohn. Gleichzeitig ist es die Geschichte der Familie Abad und der Kindheit des Autors, aber vor allem die des Vaters, der ein geachteter und sozial engagierter Arzt in Medillin war. Er sorgte für bessere medizinische und hygienische Verhältnisse in seiner Heimatstadt und zog sich, als er sich politisch einbrachte, den Zorn des herrschenden Rauschgiftkartells und der ultrarechten Paramilitärs zu. An einem Tag im August 1987 wurde er von einem Killerkommando auf offener Straße erschossen. Die Schilderung des Mordes ganz in der Nähe des Sohnes ist eine der eindrucksvollsten Szenen des Buches.
Abad schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse in den 70er und 80er Jahren, als Kolumbien und insbesondere die Drogenhauptstadt Medellin eine Metropole der Gewalt war. Sie erleben den Autor als geliebten und liebenden Sohn (der nicht in den Himmel kommen will, weil der Vater nicht dort sein wird, weil er nicht zur Messe geht, wie die erziehende Nonne ihm erzählt). In den Taschen seines ermordeten Vaters findet Abad die Abschrift eines Gedichtes von Borges*, das mit der Zeile beginnt: „Wir sind schon das Vergessen, das wir werden ...". Und so schreibt der Sohn dieses Erinnungsbuch über zwanig Jahre nach dem Mord auch gegen das drohende Vergessen. Unbedingt lesen.
Klaus Küpper, BzL

Der Autor:

Héctor Abad [Faciolince] wurde 1958 in Medellín geboren.
Er studierte anfangs Medizin und Philosophie in Medellín bevor er mit dem Studium der Sprache und Literatur an der Universität in Turin begann. Er übersetzte wichtige Werke der italienischen Literatur (u. a. von Bufalino, di Lampedusa, Eco, Calvino). Abad ist Herausgeber, Journalist und Übersetzer. 2006/2007 war er Gast des DAAD in Berlin.
Seine erste in deutscher Übersetzung erschienene Veröffentlichung war das „Kulinarisches Traktat für traurige Frauen" (s. BzL 2007/08, S. 103). 2009 erschien von ihm die Übersetzung von „Brief an einen Schatten", die Geschichte einer Liebe zwischen Vater und Sohn, 2011 „Das Gedicht in der Jackentasche" und 2016 "La Oculta".

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