Padura, Leonardo: Der Mann, der Hunde liebte

Padura MannPadura, Leonardo: Der Mann, der Hunde liebte
Roman. A. d. Span. von Hans-Joachim Hartstein.
Zürich: Unionsverlag, 2011. 730 S., geb., 28,90 €.
978-3-293-00425-2
O: El hombre que amaba los perros. Barcelona 2009
- dass.: - Zürich: Unionsverlag, 2012. UT 579. 730 S., kt., 14,95 €.
978-3-293-20579-6

1989, als sich, wie Padura in seinem Nachwort schreibt, „die Berliner Mauer ... gefährtlich neigte, bevor sie nur wenige Wochen später einstürzen ... sollte" reiste er nach Mexiko und nahm dabei die Gelegenheit wahr, das Haus, in dem Trotzki im Exil lebte und starb zu besichtigen. Das Erlebnis dieses Besuches hat ihn nicht losgelassen und so begann er fünfzehn Jahre später mit der Niederschrift des vorliegenden Romans, um über „die Pervertierung der großen Utopie des 20. Jahrhundert nachzudenken ...".
Der kubanische Schriftsteller Iván trifft 1978 am Strand in Kuba einen geheimnisvollen Mann, der hier mit seinen zwei Hunden spazierengeht. Dieser todkranke Mann erzählt Iván die Geschichte von Trotzkis Mörder Ramón Mercader. Und er berichtet ihm dabei so eine Fülle von intimen Einzelheiten über den Mann, dass iván bald klar wird: der geheimnisvolle Mann ist niemand anders als Mercader selbst ...
Im Zentrum dieses großartigen Romans steht die Ermordung Trotzkis am 20. August 1940 in Mexiko-Stadt. In drei miteinander verschränkten Erzählsträngen werden die Ereignisse vor und nach dem Tod Trotzkis entfaltet.
Da ist einmal die Lebensgeschichte des russischen Revolutionärs, der von Stalin gejagt, nach Stationen in der Türkei, in Frankreich und Norwegen schließlich in Mexiko Exil erhält. Die Biographie Trotzkis ist bekannt und gut dokumentiert; im Gegensatz dazu wissen wir von seinem Mörder nur wenig: der katalanische Kommunist wird mitten im spanischen Bürgerkrieg in die Sowjet-Union kommandiert und dort für den Mord an Trotzki ausgebildet, nach der Tat zu 20 Jahren Haft verurteilt, 1960 nach Moskau abgeschoben und dann vergessen. Kaum jemand wusste, dass er ab 1974 seine letzten vier Lebensjahre auf Kuba verbrachte. Diese Tatsache gibt Padura Gelegenheit, die Lücken romanhaft auszufüllen und sie ausführlich vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse darzustellen. Dazu gehören Schauplätze wie Spanien während des Bürgerkriegs, Moskau und die Ereignisse in der Sowjet-Union, die zur absoluten Herrschaft Stalins führten und die Exilstationen Trotzkis.
Padura ist ein spannendes, außergewöhnliches Geschichtsbuch gelungen, fast wie ein Schmöker zu lesen. Aber es ist ein Buch über die verratene Revolution und über die enttäuschten Hoffnungen (nicht nur) der damals unmittelbar beteiligten Generationen.
Klaus Küpper, BzL

Hans-Joachim Hartstein, geboren 1949, übersetzt seit 1980 französisch- und spanischsprachige Literatur. Er hat u. a. Werke von Georges Simenon, Léo Malet, Luis Goytisolo, Juan Madrid, Marina Mayoral, Leonardo Padura und Ernesto Che Guevara ins Deutsche übertragen.

Der Autor:

paduraleonardoLeonardo Padura (Fuentes) wurde 1955 in Havanna geboren.
Er studierte Literaturwissenschaften in in seiner Geburtsstadt und arbeitete als Journalist für kubanische Zeitschriften. 1989 begann er, Kriminalromane zu schreiben, die er benutzt, um Probleme in der aktuellen kubanischen Gesellschaft zu schildern und für die er zahlreiche Preise erhielt. Inzwischen gehört er zu den meistübersetzten kubanischen Autoren. Viele seiner zahlreichen Romane wurden ins Deutsche übersetzt und durchweg positiv besprochen (siehe BzL 2002/03ff.). 2015 erhielt er den renomierten spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preis. 
Leonardo Padura lebt in Havanna.
(Foto: © Leonardo Padura)

Titel:
Neun Nächte mit Violeta
Ein perfektes Leben