Victor, Gary: Schweinezeiten

Victor SchweinezeitenVictor, Gary: Schweinezeiten
Ein Voodoo-Krimi. Aus dem Französischen von Peter Trier.
Kehl: litradukt, 2013. 130 S. br., 11,90 €.
O: Saison de porces. 2009.
978-3-940435-11-8

- dass. - Zürich: Unionsverlag, 2016. UT 728. 151 S., kt., 10,95 €.
978-3-293-20728-8



Victor Schweinzeiten UnionsvlgInspektor Dieuswalwe Azémar ist schier verzweifelt, wenn er über die herrschenden sozialen und politischen Verhältnisse in Haiti nachdenkt. Die ständige Hitze hält er nur aus, wenn er seinen Alkoholpegel mit Zuckerrohrschnaps ständig in der Waage hält. Seine Fähigkeit als Präzisionsschütze wird damit allerdings nicht beeinträchtigt. Das mussten auch jene drei dunkle Gestalten erfahren, die die Tochter einer jungen Frau nur gegen Lösegeld freigeben wollten. Die erlebte Korruption und Ignoranz im Kollegenkreis und der vergebliche Kampf gegen Drogenkartelle steigern seine Wut noch. Und als ihm klar wird, dass er mit der Unterbringung seiner Tochter Mireya in einem Heim der „Kirche vom Blut der Apostel", einer dubiosen US-amerikanischen Sekte, einen schweren Fehler begangen hat, verliert er jegliche Kontrolle. Seine Tochter erzählt ihm, dass ein von ihm früher geschätzter Kollege beginnt, sich in ein Schwein zu verwandeln. In welcher Gefahr steckt Wachtmeister Colin, der ihn um Hlfe gerufen hat. Phantasiert Mireya nur oder beruht ihre Aussage auf eigener Anschauung? Vielleicht sollte er den Schnaps weglassen? Was passiert hinter den Mauern des Kinderheims wirklich? Im Fortgang des Romans verwischen sich zunehmend die Grenzen zwischen phantastischen und wirklichen Ereignissen. Nur das blutige Ende der Geschichte ist sehr real. Lesenswert, allerdings keine Lektüre für zarte Gemüter.
Klaus Küpper, BzL

Der Autor:

Victor garyGary Victor wurde am 9.7.1958 in Port-au-Prince geboren.
Nach dem Studium der Agrarwissenschaften arbeitete er als Journalist.
Mittlerweile gehört er zu den meistgelesenen Schriftstellern seines Landes, dessen Gestalten feststehende Typen geworden sind. Außer Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, für die er mit mehreren Preisen, darunter dem Prix du livre RFO und dem Prix littéraire des Caraïbes ausgezeichnet wurde, schreibt Victor auch Beiträge für Funk und Fernsehen - in Haiti regelmäßig ein Aufreger. Außerdem war er Chefredakteur der Tageszeitung "Le Matin". Sein schonungsloser Blick auf die Gesellschaft hat ihn zum subversivsten Gegenwartsautor Haitis werden lassen und stellt ihn in die Tradition der Sozialromane des 19. Jahrhunderts.
Auf Deutsch erschien bisher der Erzählband "Der Blutchor" (Besprechung siehe BzL 2007/08, S. 101f.), dessen ungekürzte Fassung auch als Hörbuch vorliegt, sowie die Romane "Schweinezeiten" und „Soro".
(Photo: © Sabine Wilke)

Titel:
Suff und Sühne