Mars, Kettly: Vor dem Verdursten

Mars VerdurstenMars, Kettly: Vor dem Verdursten
Aus dem Französischen von
Ingeborg Schmutte.
Trier: litradukt, 2013. 124 S., br., 12,90 €.
O: Aux frontières de la soif. 2013.
978-3-940435-13-2

Am 12. Januar 2010 zerstörte ein verheerendes Erdbeben Teile von Haiti und hinterließ über 200.000 Tote. 80.000 Obdachlose fanden in einer Zeltstadt eine Unterkunft, die sie hoffnungsvoll Caanan nannten, das gelobte Land.
In diesem provisorischen Lager spielt der jüngste Roman von Kettly Mars. Fito, der Protagonist, hatte vor einiger Zeit als Romanautor Erfolg. Heute arbeitet er als Architekt für den sozialen Wohnungsbau. Seine sexuellen Neigungen führen in regelmäßig in das Lager, wo er, vermittelt über den „Onkel", 12 bis 14jährige Mädchen findet, die ihm, von ihren Mütter verkauft, zur Verfügung stehen. Als er Besuch der japanischen Journalistin Tatsumi erhält, die eine Reportage über die Situation in Haiti schreiben will, keimt bei Fito die Hoffnung auf, von seinen pädophilen Neigungen loszukommen (nicht zuletzt wegen der jungmädchenhaft anmutenden Gestalt der Japanerin).
Der Roman vermittelt ein eindringliches Bild von der augenblicklichen Situation in Haiti. Leider sind die Dialoge oft merkwürdig hölzern („hatte sich ihrer die Trunkenheit bemächtigt", „der Kontrabass dämpfte im Takt den Aufprall der Sekunden") und die „Heilung" des Protagonisten von seiner Sucht durch die zarte Liebesgeschichte mit Tatsumi hat mich nicht überzeugt.
Klaus Küpper, BzL

Ingeborg Schmutte, geboren 1930 in Starnberg, studierte Romanistik, Germanistik und Anglistik in Tübingen, Toulouse und Paris. Sie war
Gymnasiallehrerin
und leitete von 1988 bis 1992 das Deutsche Pädagogische Seminar in Buenos Aires. Sie übersetzte zahlreiche belletristischer Werke und Sachbücher aus dem Französischen und Spanischen, darunter u. a. drei Werke von Kettly Mars aus Haiti.


Die Autorin:

Mars Kettly BernardKettly [Pierre] Mars, wurde am 3. September 1958 in Port-au-Prince/Haiti geboren.
Bekannt wurde sie zunächst durch ihre Lyrik. Als Prosaautorin machte sie sich durch die Romane Kasalé (2003) und L'heure hybride (2005) einen Namen. Das Zweideutig-Unbestimmte, das in diesem Titel zum Ausdruck kommt, kennzeichnet auch ihren 2008 erschienenen Roman Fado.

Kettly Mars spielt eine wichtige Rolle im Kulturleben Haitis. Im Augenblick arbeitet sie an einer Anthologie der weiblichen haitianischen Literatur; außerdem ist sie Mitglied der Jury des Prix Henry Deschamps. In Deutschland wurde sie durch ihren Artikel über das Erdbeben in Haiti bekannt (»Ich habe überlebt«, in: DIE ZEIT vom 21.1.2010).
(Photo: © Philippe Bernard)

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