Laferrière, Dany: Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama

Laferriere PyjamaLaferrière, Dany: Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama
Roman. Aus dem Französischen von Beate Thill.
Heidelberg: Das Wunderhorn, 2015. 327 S., geb., 24,80 €.
O: Journal d'un écrivain en pyjama. Paris 2013.
978-3-88423-493-8

Mit der lockeren und charmanten Art, in der er seine Texte präsentiert und kommentiert, ist der Autor in Frankreich ein Liebling der Medien, seine Bücher erreichen hohe Auflagen und die Besucher strömen massenhaft in seine Lesungen. 2014 wurde das erste auf Deutsch erschienene Werk von Laferrière „Das Rätsel der Rückkehr“ mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin ausgezeichnet – es war sein dreiundzwanzigster Roman. Das Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama ist der Roman der Lektüren, ein Buch für jeden, der gerne liest, oder vielleich auch selbst schreiben möchte. Humorvoll komponiert der Autor eine Geschichte aus Anekdoten und theoretischen Ausführungen. Die Ratschläge an einen „jungen Autor“ sind kleine Erzählungen, von Freud und Leid des Schreibens („Die Knute von Truman Capote“), über die Schreibhemmung und das Korrigieren eines Textes. Kioskszenen werden zur Bühne des Ärgernisses, das sich mit Fragen des Publikums an den Autor entzünden kann.
Kurze Kapitel verweben Szenen, Reflexionen und Biografisches miteinander. Was wir hier über die Theorie des Romans erfahren, steht in Nachbarschaft zum Wunsch des jungen Exilanten, prekären Lebensumständen zu entkommen. Laferriére spürt der These nach, literarischer Geschmack bilde sich beim Lesen der Großen, hier lernten wir, wie ein gelungener Satz klingen muss. Tolstoi, Marquez, Kafka und andere stehen ihm dabei Pate. Dafür muss man sich aber in ein Gespräch mit ihnen begeben: „Sprechen Sie laut mit dem Klassiker. Er kann Sie hören.“
Der Roman ist ein Bad in der Literatur und eine Reise um die Welt, zugleich vermittelt er das Bild von einem Autor aus Haiti, der mit seinem Erfolg, aber auch konkret in seinen Texten, Stereotypen und kulturelle Vorurteile durchbricht. (Verlagsinformation)

Beate Thill, geb. 1952 in Baden-Baden, wuchs zweisprachig deutsch-französisch auf. Seit 1983 ist sie freischaffende literarische Übersetzerin der Sprachen Englisch und Französisch, mit dem Schwerpunkt Literatur aus Afrika und der Karibik. Daneben arbeitet sie als Dolmetscherin bei Filmfestivals, Funk und Fernsehen und verfasst Texte zur Übersetzungstheorie. Sie ist Übersetzerin von Assia Djebar (Friedenspreis 2000) und des kongolesischen Lyrikers Tchicaya U Tam´si. Sie entdeckte den Romanautor, Dichter und Kulturkritiker Edouard Glissant für den deutschen Buchmarkt und hat seine Werke übersetzt sowie eine Anthologie seiner Gedichte herausgegeben und übersetzt. Für die Übersetzung von Laferrières Roman „Das Rätsel der Rückkehr“ wurde sie 2014 mit dem Internationalen Literaturpreis vom Haus der Kulturen der Welt ausgezeichnet.

Der Autor:

Dany LaferriereDany Laferrière, geboren 1953 in Port-au-Prince, Haiti, arbeitete zunächst als Journalist bis er sich unter dem Druck des politisch repressiven Klimas 1976 gezwungen sah, nach Montréal auszuwandern. Dort verdiente er sein Geld u.a. als Fabrikarbeiter. 1985 veröffentlichte er seinen ersten Roman unter dem provokativen Titel Comment faire l'amour avec un nègre sans se fatiguer (Übersetzung: Die Kunst, mit einem Neger zu schlafen, ohne müde zu werden), der ihn als Autor unmittelbar bekannt machte. In der Folge veröffentlichte er zehn weitere Romane. Er wurde mit dem Prix Carbet de la Caraïbe und dem Buchpreis des französischen Auslandsrundfunks ausgezeichnet. Für seinen Roman L'énigme du retour (Das Rätsel der Rückkehr) erhielt er 2009 den prestigeträchtigen Prix Médicis.
"Das Rätsel der Rückkehr" ist seine erste Veröffentlichung im deutschen Sprachraum; der Autor erhielt - zusammen mit seiner Übersetzerin - im Frühjhar 2014 dafür den Internationalen Literaturpreis vom Haus der Kulturen der Welt.
Der Autor lebt in Montréal und Miami.
(Verlagsinformation)
(Foto: © Verlag Das Wunderhorn)

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