Phelps, Anthony: Der Zwang des Unvollendeten

Phelps ZwangPhelps, Anthony: Der Zwang des Unvollendeten
[Roman] Aus dem Französischen von Peter Trier.
Trier: litradukt Literatureditionen, 2015. 169 S., br., 12,90 €.
O: La contrainte de l´inachevé. Montreal 2006.
978-3-940435-16-3

Simon Nodier, Bildhauer und Schrifsteller, kehrt nach 25 Jahren im Ausland zu einem Verwandtenbesuch nach Haiti zurück. Er muss bald feststellen, dass das Land, das er in Erinnerung hat, nicht mehr existiert und vielleicht nie existiert hat. Die Begegnungen Nodiers mit Freunden und Familienmitgliedern lassen den Leser seine privilegierte Kindheit, die Jahre der Diktator und die Erfahrung des "Exils der Rückkehr", der Fremdheit im eigenen Land, miterleben. In der Fortsetzung einer unvollendeten Jugendliebe gehen Erinnerung und Einbildung ineinander über, und die Erlebnisse Nodiers verschmelzen mit dem Roman, den er zu schreiben begonnen hat. Ein raffiniert komponiertes und einfühlsam erzähltes Werk über eines der Hauptthemen der haitianischen Literatur, das Exil, und ein Denkmal für das leidgeprüfte Haiti in seiner geheimnisvollen Vielfalt und Widersprüchlichkeit. (Verlagsinformation)

Peter Trier wurde 1970 in München geboren. Er wuchs in Bonn auf, wo er Deutsch und Französisch studierte. Er arbeitete als DAAD-Lektor in Frankreich, sowie als Deutschlehrer und Übersetzer aus dem Französischen. 2006 gründete er den Litradukt Verlag, der sich auf karibische Literatur spezialisiert hat und seit 2012 seinen Sitz von Kehl nach Trier verlegt hat. Zu den von ihm übersetzten Autorinnen und Autoren gehören u. a. Maryse Condé, Anthony Phelps, Lyonel Trouillot und Gary Victor.
 
Der Autor:

Phelps AnthonyAnthony Phelps, Lyriker, Prosaautor, Journalist, Vortragskünstler und Bildhauer, geboren 1928 in Port-au-Prince, kann als lebender Klassiker Haitis gelten. Nach einem Chemiestudium in den USA gehörte er 1960 zu den Gründern der Gruppe Haïti Littéraire und der Zeitschrift Semences, die der haitinaischen Literatur bedeutende Impulse verleihen sollten. Als Gegner Duvaliers musste er 1964 nach einem Gefängnisaufenthalt ins Exil nach Montreal gehen, wo er noch heute lebt. Bis zu seiner Pensionierung war er dort als Nachrichtenredakteur bei Radio Canada tätig. Er gilt auch als einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Québecs. Sein literarisches Werk umfasst etwa dreißig Bücher, darunter das Kultbuch Mon Pays que voici (1968), eine lyrische Hymne an sein Heimatland, und die Romane Moins l’infini (Paris, Les Éditeurs Français Réunis, 1973, überarbeitet unter dem Titel Des fleurs pour les héros, Paris, Le temps des cerises, 2013, deutsch „Denn wiederkehren wird Unendlichkeit“, Berlin/Weimar, Aufbau-Verlag, 1976) und Mémoire en Colin Maillard (Montreal, Editions Nouvelle Optique, 1976). „Der Zwang des Unvollendeten“ erschien 2006 im Verlag Leméac, Montreal unter dem Titel La contrainte de l’inachevé. Anthony Phelps erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter zweimal den Preis der Casa de las Americas. Im Frühjahr 2014 hielt er sich im Rahmen des Projekts Kreyol, die Kultur des Widerstandes in der Karibik in der Künstlervilla Waldberta bei München auf.

© Photo: SETKA Film, éditions Brundo Doucey (Verlagsfoto)

Titel:
Wer hat Guy und Jacques Colin verraten?
Der Zwang des Unvollendeten