Bolaño, Roberto: Der unerträgliche Gaucho

Bolaño Gaucho TBBolaño, Roberto: Der unerträgliche Gaucho
Aus dem Spanischen von Hanna Grzimek und Peter Kultzen
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2015. 189 S., kt., 9,99 €.
978-3-596-18775-1
O: El gaucho insufrible. Barcelona 2003.

Manuel Pereda war, so heißt es in der titelgebenden Erzählung dieser kleinen Anthologie, „ein liebevoller, sorgender Familienvater und ein tadelloser Rechtsanwalt von ausgewiesener Redlichkeit in einem Land und in einer Zeit, in denen Redlichkeit nicht gerade in Mode war.“ Das ändert sich als seine Frau stirbt und er mit seinen zwei kleinen Kindern allein zurückbleibt. Nach Jahren, die Kinder sind inzwischen erwachsen, beschließt Pereda die Stadt Buenos Aires zu verlassen und der wirtschaftliche Zusammenbruch Argentiniens war dazu für ihn nur noch der letzte Anstoß. Die Reise und der Aufenthalt auf der Estancia seiner Eltern mitten in der Pampa, in der es freilich keine Rinderherden mehr gibt, sondern nur noch Kaninchen, und die Gauchos, die ihre Pferde längst verkauft haben, zücken auch nicht mehr ihre langen Messer, bilden den Mittelpunkt dieser melancholischen Geschichte eines Aussteigers.
In der zweiten längeren Geschichte erleben wir José, ein Neffe von Kafkas legendären Sängerin Josefine. José, den seine Freunde Pepe el Tira nennen ist Polizist und hat mehrere rätselhafte Morde aufzuklären. Sein Revier ist die Kanalisation einer nicht näher beschriebenen Stadt: Pepe ist eine Ratte.
Protagonist einer weiteren Geschichte ist Álvaro Rousselot, „viele werden sich nicht erinnern“, ein einfallsreicher und origineller, aber erfolgloser Erzähler. Das ändert sich, als ihm Freunde berichten, dass ein Roman von ihm verfilmt worden sei. Es folgt eine weitere Verfilmung und Rousselot muß annehmen, dass er Opfer eines Plagiats geworden ist. Er nimmt eine Europareise zu Anlaß, sich auf die Spuren des rätselhaften Regisseurs zu begeben. In den zwei essayistischen Texten, die den Band beschließen, erleben wir Bolaño als unerbittlichen und polemischen Kritiker der Literaturszene und als schon vom Tode gezeichneten Autor.
Klaus Küpper, BzL 2007/08

Hanna Grzimek, geboren 1973 in Heidelberg, aufgewachsen in Venezuela, studierte Germanistik und Hispanistik in Madrid und Berlin, wo sie seit 2004 als freie Übersetzerin, Lektorin und Herausgeberin tätig ist. Hat u.a. Titel von Juan José Saer und Roberto Bolaño übersetzt.
Peter Kultzen, geboren am 20.8.1962 in Hamburg, studierte Romanistik und Germanistik in München, Salamanca, Madrid und Berlin. Er lebt als freier Lektor und Übersetzer spanisch- und portugiesischsprachiger Literatur in Berlin. Er übersetzte u. a. Werke von Sonia Maria Cristoff, Martín Kohan, Claudia Piñeiro, Eduardo Halfon und Roberto Bolaño.

Der Autor:

Bolano Roberto hf 3Roberto Bolaño wurde am 28. April 1953 in Santiago de Chile geboren.
Einen Teil seiner Jugend verbrachte er Mexiko. 1972 kehrte er nach Chile zurück, nach dem Militärputsch wurde er gefangen gehalten, konnte das Land aber dann verlassen. Nach dem Ende der Franco-Diktatur ging er 1977 nach Spanien, wo er als Hafenarbeiter, Kellner und Nachtwächter arbeitete. Seit den achtziger Jahren konnte er von den Preisgeldern literarischer Wettbewerbe leben. Roberto Bolaño starb am 17. Juli 2003 in Barcelona.
Seine Bedeutung als einer der begabtesten lateinamerikanischen Autoren der jüngeren Generation wird erst jetzt (auch im deutschen Sprachraum) erkannt. Für sein Werk „Die wilden Detektive" erhielt er den Premio Rómulo Gallegos, einen der angesehensten lateinamerikanischen Literaturpreise. Auf Deutsch liegen außerdem vor: „Die Naziliteratur in Amerika", „Stern in der Ferne", „Amuleto", „Telefongespräche", „Lumpenroman". Sein auf Deutsch vorliegendes Hauptwerk „2666" wurde bereits kurz nach Erscheinen als Jahrhundertwerk gepriesen.
(Foto: © The Estate of Roberto Bolaño)

Titel:
Die romantischen Hunde