Prestes, Luiz Carlos / Benario, Olga: Die Unbeugsamen

Preses BenarioPrestes, Luiz Carlos / Benario, Olga: Die Unbeugsamen
Briefwechsel aus Gefängnis und KZ
Hg. [und kommentiert] von Robert Cohen. Die portugiesischsprachigen Briefe übersetzt von Niki Graça.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2013. 270 S., ca. 10 Abb., geb., 24,90 €.
O: Anos tormentosos.
978-3-8353-1327-9

Im Zentrum der sehr persönlichen Briefe der sich liebenden Widerstandskämpfer steht das in Haft geborene und dann weggenommene gemeinsame Kind. Die deutsche Jüdin und Komintern-Agentin Olga Benario wurde Ende 1936, nachdem sie in Brasilien an einem misslungenen Aufstand beteiligt gewesen war, hochschwanger an Nazideutschland ausgeliefert. In Gestapo-Haft in Berlin gebar sie kurz darauf ihre Tochter Anita, die ein Jahr bei ihr in der Zelle lebte, bevor sie in die Obhut der brasilianischen Großmutter gegeben wurde. Olga Benario gehörte später zu den ersten weiblichen Häftlingen im KZ Lichtenburg und in Ravensbrück. 1942 wurde sie in der NS-Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Ihr Lebenspartner und der Vater ihres Kindes, der brasilianische Offizier Luiz Carlos Prestes, verbrachte die Jahre 1936 bis 1945 in Rio de Janeiro in Isolationshaft. Er war Anführer des Aufstandes gegen die Regierung Vargas und seit Mitte der 1920er Jahre als »Ritter der Hoffnung« bekannt.
Der Briefwechsel der beiden Gefangenen konnte unter den größten Schwierigkeiten der Distanz, der Sprache und der Zensur selbst noch während Olga Benarios Inhaftierung im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück aufrechterhalten werden. Im Zentrum der Briefe steht das Schicksal des kleinen Mädchens. Anita Prestes lebt heute als Historikerin in Brasilien.
(Verlagsinformation)

Die Autoren:

Prestes Amado VW CoverLuiz Carlos Prestes wurde am 3.1.1898 in Porto Alegre geboren. Er war Leutnant (tenente) in der brasilianischen Armee und der Anführer der sogenannten Tenentes-Aufstände in den 20er Jahren. Seine coluna Prestes (Kolonne Prestes), bestehend aus ca. 1.500 Mann, zog in den Jahren 1924 bis 1927 durch fast alle östlichen Staaten Brasiliens, bevor sie sich auflöste und Prestes ins Exil nach Bolivien ging. Prestes wurde Kommunist, reiste nach Moskau, wo er Olga Benario kennenlernte, mit der er illegal nach Brasilien zurückkehrte. Luiz Carlos Prestes verlies 1982 die KP Brasilien und starb am 7.3.1990 in Rio de Janeiro. Jorge Amado setzte ihm in seinem Buch „Der Ritter der Hoffnung" ein literarisches Denkmal.
(Foto: Umschlag: Jorge Amados Roman über Prestes. © K. Küpper) 



Benario BM DDROlga Benario wurde am 12.2.1908 in München geboren und engagierte sich früh in der KP.
Nach mehreren Stationen im Exil gelangte Benario nach Moskau, wo sie mit Prestes zusammentraf. Eine der zahlreichen Lebensbeschreibungen stammt von dem brasilianischen Autor Fernando Morais und erschien unter dem Titel „Olga" 1989 auch in deutscher Übersetzung.
(Foto: Olga Benario auf einer Briefmarke. © K. Küpper)