Lispector, Clarice: Der große Augenblick

Lispektor AugenblickLispector, Clarice: Der große Augenblick
Roman. Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby.
Mit einem Nachwort von Colm Tóibín.
Frankfurt a. M.: Schöffling, 2016. 125 S., Ln., SU, 18,95 €.
O: A hora de estrela. Rio de Janeiro 1977.
978-3-89561-623-5

Zwei Welten treffen aufeinander, als der kultivierte Schriftsteller Rodrigo S. M. die Geschichte der bedauernswerten Macabéa erzählt, die sich in der rauen Hafengegend von Rio mit Schreibarbeiten durchschlägt. Ihre seltenen Freuden im Leben sind Filme mit Marilyn Monroe, Coca-Cola und ihr großmäuliger Freund. Niemand, nicht einmal er, hat das unansehnliche, unterernährte Mädchen aus dem armen Norden gern. Obwohl Rodrigo vor so viel Elend erschaudert, bewundert er Macabéas innere Freiheit: Sie scheint einfach nicht zu wissen, wie unzufrieden sie sein müsste. Doch die arglose Heldin und ihr besser gestellter, aber zutiefst unglücklicher Schöpfer haben auch überraschende Gemeinsamkeiten, es trifft Leiden auf Verzweiflung. Beide sind letztlich Figuren in einem Spiel, mit dem die große brasilianische Schriftstellerin unsere Vorstellungen von Armut, Liebe, Identität und Fiktion auf den Kopf stellt. In ihrem gefeierten letzten Roman, der als Schlüssel zu ihrem gesamten Werk gilt, öffnet sie uns die Türen zu ihrer eigenen Gedankenwelt und zu den wahren Mysterien des Lebens. (Verlagsinformation) 
[Der kleine Roman erschien 1985 unter dem Titel „Die Sternstunde“ in der längst vergriffenen deutschen Übersetzung von Curt Meyer-Clason]

Luis Ruby, geboren 1970, lebt in München und übersetzt aus dem Spanischen, Italienischen, Portugiesischen und Englischen. Er wurde mit dem Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft (2003), dem Bayerischen Kunstförderpreis (2008) und dem Münchner Literaturstipendium (2013) ausgezeichnet. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen neben Clarice Lispector u. a. Javier Marías, Carlo Fruttero und Jorge Amado.

Die Autorin:

Lispector Clarice BMClarice Lispector wurde am 10.12.1920 in Tschetschelnik/Ukraine als Tochter russisch-jüdischer Einwanderer geboren.
Sie studierte Jura, schrieb Romane, Erzählungen und Kindergeschichten; sie gilt außerdem als Pionierin des weiblichen Journalismus in Brasilien.
Zahlreiche Romane und Erzählungen wurden bisher ins Deutsche übersetzt; leider ist davon vieles nicht mehr lieferbar. Darunter sind allein drei Bände mit Erzählungen (Die Dame und das Ungeheuer, Die Nachahmung der Rose und Wo warst du in der Nacht), sowie die Romane "Der Apfel im Dunkeln", "Eine Lehre oder das Buch der Lust", "Von Traum zu Traum" u. a.  
Für weitere Informationen zu der Autorin siehe die Biographie von Benjamin Moser. 

Dort, wo das Denken aufhört zu denken, wo es schwungvolle Freude wird, dort schreibt sie ... Unter dem Blick von Clarice Lispector blüht jedes Ereignis auf, das Gewöhnliche öffnet sich und zeigt seinen Schatz, der gerade gewöhnlich ist. (Hélène Cixous)
Clarice Lispector starb 10.12.1977 in Rio de Janeiro.

(Foto: Lispector a. e. bras. Briefmarke © K. Küpper)

Titel:

Der große Augenblick
Der Lüster
Nahe dem wilden Herzen
Das Geheimnis des denkenden Hasen und andere Geschichten