Galera, Daniel: Flut

Galera FlutGalera, Daniel: Flut
Roman. A. d. bras. Port. von Nicolai von Schweder-Schreiner, unter Mitarbeit von Manuel von Rahden.
Berlin: Suhrkamp, 2013. 422 S., geb., 22,95 €.
O: Barba ensopada de sangue. São Paulo 2012
978-3-518-42409-4
- dass.: - Berlin: Suhrkamp, 2015. st 4568. 422 S., kt., 9,99 €.
978-3-518-46568-4

Bevor sein Vater sich erschießt bittet er seinen Sohn, sich um die Hündin Beta zu kümmern, d. h. sie einschläfern zu lassen. Doch sein Sohn weigert sich und zieht mir ihr nach Garopaba, einer Küstenstadt in Santa Catarina. Hier soll sein Großvater umgekommen sein, hatte ihm der Vater erzählt. Ein bärenstarker Mann, der mehrere Minuten lang tauchen konnte, ein Frauenheld und jähzorniger Raufbold. Das ereignete sich vor über 20 Jahren, vor der Geburt des namenlosen Protagonisten. Der im übrigen an einer seltenen Krankheit leidet: er kann sich keine Gesichter merken und muß, um jemanden wiederzuerkennen, sich anderer Merkmale vergewissern.
In Garopaba erlebt er, dass mehrere ältere Einwohner ihn erschrocken ansehen und auf die Fragen nach seinem Großvater, den sie Gaúcho nennen, unwirsch reagieren. Als ausgezeichneter Schwimmer, der die Fähigkeit lange zu tauchen wohl von seinem Großvater geerbt hatte, findet eine Arbeit als Schwimmlehrer und mietet ein kleines Haus am Strand. Er verliebt sich zweimal, findet einen Freund, der ihn mit einer buddhistischen Religionsgemeinschaft bekannt macht. Er aber bleibt ruhelos, denn das Rätsel um seinen Großvater, dem er offensichtlich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich ist, läßt ihn nicht los. Schließlich findet er eine Zeugin, die ihm erzählt, was damals geschah. Aber auch sie konnte ihm nicht sagen, ob sein Großvater bei der Messerstecherei umgekommen war.
In Begleitung von Beta bricht er eines Tages zu einer Wanderung entlang der Küste auf. Mehrere Wochen lang läuft er durch teilweise unwegsames Gelände; in dem tagelang andauernden Regen verliert er mitunter jegliche Orientierung. Der Hinweis auf einen in der Nähe in einer Höhle wohnenden alten Mann veranlasst ihn, trotz mehrfacher Warnung, den Ort aufzusuchen. Und hier findet er seinen Großvater. Als der merkt, dass der Besucher sein Enkel ist, vertreibt er ihn mit brachialer Gewalt. Auf der Flucht stürzt er von einer Klippe ins Meer und wird bewußt los am Strand aufgefunden. Die Schilderung dieser Wanderung und ihr Ende gehört zu den bedrückendsten Abschnitten dieses, an so vielen Themen reichen Romans nach einer Suche nach sich selbst.
Das Ende der Geschichte erzählt der Sohn seines Bruders im Prolog: beim Rettungsversuch einer ins Meer gefallenen Frau sei er ertrunken. Seine Leiche wurde nie gefunden.
Klaus Küpper, BzL

Der Übersetzer Nicolai von Schweder-Schreiner, geboren 1967 in Lissabon, lebte von 1981 bis 1984 in Rio de Janeiro und wohnt heute in Hamburg. Er studierte Kulturwissenschaften, übersetzt seit 1997 aus dem Portugiesischen und Englischen und arbeitet auch als Musiker, Komponist und Texter, u. a. für Theater, Film und Werbung.

Der Autor:

Galera Daniel c Raul Krebs SVDaniel Galera, geboren am 13.7.1979 in São Paulo, lebt heute in Porto Alegre.
Er ist Schriftsteller und Übersetzer zeitgenössischer englischsprachiger Literatur (u. a. Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson) und hat Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane geschrieben.
Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und fürs Theater adaptiert worden.
„Flut" ist sein erstes Buch in deutscher Übersetzung.
(Foto: © Raul Krebs/Suhrkamp Verlag)

Titel:

Flut