Tizón, Héctor: Die Schönheit der Welt

Tizon SchönheitTizón, Héctor: Die Schönheit der Welt
Roman. Aus dem Spanischen übersetzt von Reiner Kornberger.
Zürich: Edition 8, 2014. 148 S., geb., 18,00 €.
O: La belleza del mundo. Buenos Ares 2004.
978-3-85990-241-1

„Sie hieß Laura, und als er sie kennen lernte, war ihr Vater ein trockener Alkoholiker." Mit dieser lakonischen Feststellung beginnt der letzte Roman von Héctor Tizón. Anfangs deutet noch nichts auf kommendes Unheil hin, das die scheinbare Idylle in dem kleinen Dorf stören könnte. Laura, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, war ein pummeliges, sommersprossiges und naives Mädchen, das Bienen und Wespen nicht unterscheiden konnte. Aber die Bienen waren der ökonomische Grundlage für den 20jährigen Imker, der mit seinem tauben Knecht Camilo in der Nachbarschaft lebte. 20 Kästen mit Waben hatte er von seinem Großvater geerbt und zusammen mit der Apfelernte brachte ihm der Verkauf des Honigs genug Geld zum Leben. Ruhig verläuft das Leben im Dorf: der junge Imker heiratet Laura; die beiden befreunden sich mit Venacio, dem Honigaufkäufer. Auch ein unbekannter Toter oder der pötzlich aufgetauchte Fremde verursachen nur kurzfristig Gesprächsstoff in der Gemeinde.
Doch dann, aus heiterem Himmel, verschwand Laura mit Venacio. Der junge Imker reagierte völlig hilflos und verzweifelt, wurde apathisch und gleichgültig, vernachlässigte schließlich seine Bienenvölker und verschwand aus dem Dorf – niemand hörte mehr etwas von ihm.
Zwanzig Jahre lang reiste er von Ort zu Ort, vergaß seine Vergangenheit und als man ihn in der Fremde nach seinem Namen fragte, sagte er: „Lucas, ich heiße Lucas". Lange Zeit fuhr er als Mechaniker auf Lastkähnen. Die Begegnung mit einem geheimnisvollen Passagier und die Lektüre von dessen Notizen in dem zurückgelassenen Heft bewirkten schließlich, dass Lucas sein unstetes Leben aufgab. Er lernt eine Frau kennen und reparierte deren Haus und die verrotteten Bienenstöcke. Doch als schon alles für die Hochzeit vorbereitet war, verließ der Mann, der sich Lucas nannte, das Haus.
Schließlich kommt er in sein Dorf zurück und begegnet seiner Vergangenheit ... Erst danach „war er ein freier Mann, der nichts zu verlieren oder zu gewinnen hatte."
Tizón erzählt diese Geschichte in einer ganz einfachen und wunderbar poetischen Sprache, die die Leser anrührt und teilnehmen läßt an dem unruhigen und von Selbstzweifeln geplagten Leben des Protagonisten.
Klaus Küpper, BzL

Reiner Kornberger, geboren 1949 in Mayen/Eifel, ist promovierter Romanist und Germanist. Er ist Herausgeber und Übersetzer von Literatur aus Lateinamerika, besonders von Autorinnen und Autoren aus Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay, darunter u. a. Werke von Ricardo Feierstein, Celia Curatella, Gonzalo Rojas, Mempo Giardinelli und Mario Benedetti.
Reiner Kornberger lebt und arbeitet als Lehrer in Bremen.

Der Autor:

Tizzn Hector1Héctor Tizón wurde am 21. Oktober 1929 in Yala/Jujuy geboren.
Er war Journalist, Rechtsanwalt und Diplomat. 1976, nach dem Putsch der Militärs, ging er ins Exil nach Spanien. Seit 1982 lebte er wieder in Yala und arbeitete dort als Richter. Für sein literarisches Werk, (11 Romane, viele Erzählungen und Essays), erhielt er zahlreiche Preise.
„Zwei Fremde auf der Welt" ist sein erster deutsch übersetzter Roman.
Héctor Tizón starb am 30. Juli 2012 in seiner Geburtsstadt. 
(Foto: © privat)

Titel:

Die Schönheit der Welt
Zwei Fremde auf der Welt