Szpunberg, Alberto: Die Piatock-Akademie / La Academia de Piatock

Szpunberg Akademi.jpgSzpunberg, Alberto: Die Piatock-Akademie / La Academia de Piatock
A. d. arg. Spanischen von Juana und Tobias Burghardt.
Nachwort: Tobias Burghardt.
Stuttgart: Edition Delta, 2011. 187 S., br., 21,0 x 15,6, 17,50 €.
978-3-927648-40-1

Das Buch ist ein Traum, der redliche, ernsthafte Traum einer besseren als jener krisengeschüttelten, grimmig-zynischen und in jeder Hinsicht gebeutelten Welt: der Traum von einer gerechten Welt, in der gewisse humanistische Traditionen und Entwicklungen innerhalb der jüdischen Kultur nicht allein für jene, sondern für alle Menschen zurückgewonnen werden können. Der poetische Traum entsteht aus der Zukunft, wiewohl er an die Vergangenheit gekoppelt wird und in der Gegenwart geschieht, indem er unverblümt im Zeitenkreis oder Rad der Zeit webt.
Wer ist Piatock? Es gab ihn wirklich. Er war vor rund hundert Jahren ein paríkmaker, ein Friseur und Perückenmacher, im osteuropäischen Schtetl Berdytschiw, einem kulturellen Knotenpunkt für Juden, Polen und Ukrainer seit dem 17. Jahrhundert bis zur Shoa. Piatock war neben seinem Handwerksberuf als Haareschneider und Bartscherer sehr hilfsbereit, wenn es etwa darum ging, eine Latrine mit bloßen Händen zu reinigen oder die Jauchegrube mit der Forke auszuheben und – im wahrsten Wortsinn – den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Er hatte ein Händchen und gutes Gespür für Pferde, denen er ins Ohr flüsterte, manche meinten: „vielleicht ein Gebet ...", andere zweifelten eher: „besser ist's, nicht zu wissen ..." Jedenfalls war er für jede Notlage und jedes Elend stets tatkräftig und herzensrein zu haben, um mit seiner bescheidenen Mühe dem Weltenlauf die Bürde dieses entscheidenden Augenblicks leichter ertragbar zu machen, kurz gesagt: dem Barbier von Berdytschiw oder naiven Figaro der Nächstenliebe eilte der mehr nutzbringende als liebevolle Ruf eines weltfremden Hinterwäldlers voraus, wenn nicht gar derber: eines sonderbaren Dorftrottels, eines schrägen Hanswursts vom Jahrmarkt, eines warmherzigen dummen Augusts, der sich ansonsten mit der Geringachtung und dem Scheitern abgefunden zu haben schien. (aus der Verlagsinformation)

Juana Burghardt wurde 1963 in Buenos Aires geboren und lebt jetzt in Stuttgart. Sie übersetzt und illustriert zahlreiche spanische, katalanische und lateinamerikanische Autoren in der "Edition Delta“.
Tobias Burghardt wurde 1961 in Essen-Werden geboren und lebt heute in Stuttgart als Lyriker, Essayist und Übersetzer neuerer Lyrik aus Lateinamerika und von der Iberischen Halbinsel. Er übersetzte u. a. Werke von Juan Gelman, Alberto Szpunberg, Roberto Juarroz, Gustavo Pereira, José Emilio Pacheco, Alejandra Pizarnik und Antonio Porchia


Der Autor:

Alberto Szpunberg wurde am 28. September 1940 in Buenos Aires geboren.
Sein Vater stammt aus der Ukraine, die Eltern seiner Mutter aus dem heutigen Moldawien.
Als Jugendlicher lernte er Jorge Luis Borges kennen, der ihn für englische Literatur begeistern konnte. Szpunberg ist Autor von Gedichtbänden, für die er viele namhafte Preise erhielt.
In deutscher Übersetzung erschien bisher sein zweisprachiger Gedichtband „Der Wind ist manchmal wie alle" (s. Bücher zu Argentinien 2010, S. 109).
Szpunberg ging 1977 ins Exil nach Spanien, wo er heute noch lebt.

Titel:

Die Piatock-Akademie / La Academia de Piatock