Salem, Carlos: Wir töten nicht jeden

Salem toetenSalem, Carlos: Wir töten nicht jeden
Kriminalroman. Aus dem Spanischen von Ilse Layer.
München: dtv, 2011. TB 21302. 286 S., kt., 8,95 €.
O: Matar y guardar la ropa. 2008
978-3-423-21302-8
- dass.: - München: dtv,2017. Bd. 21683. 286 S., kt., 9,95 €.
978-3-423-21683-8
 
 
 

Salem Töten 2017Der Protagonist dieses Romans ist Juan Pérez Pérez, ein hauptberuflicher Killer, der sich vor seiner (Ex-)Frau und seinen beiden Kindern als Pharmavertreter tarnt. Die genaue Zahl seiner Opfer, die er im Auftrag der „Firma" liquidiert hat, weiß er nicht mehr so genau (waren es 13, 14 oder 15?). Jetzt kann er sich auf seinen wohlverdienten Urlaub auf dem FKK-Campingplatz in Murcia freuen. Außer einer kleinen Überwachung soll er hier aber vom Dienst befreit sein. Aber die Welt ist klein und so trifft er am Urlaubsort (mehr oder weniger bekleidet): erstens, seine Exfrau Leticia mit den vorlauten und frühreifen Kindern und dem Medusenblick, zweitens, den von ihm verehrten Gaspar Beltrán, einen unbestechlichen Richter und mittlerweile Lover von Leticia, drittens, seinen Jugendfreund Tony, dem er einst ein Auge ausgeschossen und später zum Krüppel gemacht hatte, viertens, die Nummer 13 in der Hierarchie der Killer, fünftens, den Kriminalautor Professor Camilleri und sechstens, den Kommissar Arregui, der ihm schon auf den Fersen zu sein scheint. Zu diesem Panoptikum gesellt noch die zweite Hauptperson und Partnerin von Juan: die wunderschöne Animateurin Yolanda; sie hat in dem Roman die Funktion, dem ständig mit einer (peinlichen) Erektion (im FKK-Gelände!) herumlaufenden Killer Abhilfe zu schaffen. Die Schilderungen dieser Therapie unterbrechen die allmählich langweilig werdenden Belehrungen und Unterweisungen von Juans ehemaligen Vorgesetzten, die dieser dauernd memoriert. Und von Urlaub kann dann auch bald keine Rede mehr sein. Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse; es gibt mehrere Todesfälle (nur Böse) und überraschende Enthüllungen (Gute werden zu Bösen, Totgeglaubte leben noch usw.) – mehr wird nicht verraten.
Ungelöst bleibt nach der Lektüre allerdings die Frage: wollte der Autor uns wirklich einen Kriminalroman präsentieren oder doch eher eine Parodie auf die Romane des Genres, die ausschließlich Mord und Sex zum Thema haben?
Klaus Küpper, BzL

Die Übersetzerin Ilse Layer wurde 1958 in Künzelsau geboren. Sie studierte Germanistik, Lateinamerikanistik und Romanistik u.a. in Freiburg, Paris, und Berlin. Seit 1991 arbeitet sie als freie Übersetzerin für Literatur aus dem Spanischen. Sie übertrug u. a. Kinder- und Jugendbücher von Graciela Montes, Sylvia Schujer, Verónica Murguía, Hilda Perera und Inés Garland.

Der Autor:

3740Carlos Salem, 1959 in Buenos Aires geboren, arbeitete nach dem Publizistikstudium für diverse Fernsehprogramme und jobbte nebenbei als Kellner, Taxifahrer, Buchhändler, Hotelportier, Werbegestalter, Radiosprecher, Drehbuchschreiber, Pizzabäcker und Vertreter für Mittel zur Kakerlakenbekämpfung.
1988 wanderte er nach Spanien aus, wo er zunächst für diverse Print- und TV-Medien arbeitete.
Neben einigen Erzählungs- und Gedichtbänden hat er bisher fünf Romane veröffentlicht. "Wir töten nicht jeden", sein zweiter Krimi, erhielt den Premio Novepol für den besten 2008 veröffentlichten Krimi und in Frankreich den Prix Paris Noir 2010.
Seit 2000 lebt Salem in Madrid. (Verlagsinformation)
(Foto: © Pablo Sarompas)

Titel:

Wir töten nicht jeden