Quiroga, Horacio: Die Verbannten und andere Erzählungen

Quiroga verbannteQuiroga, Horacio: Die Verbannten und andere Erzählungen
Übersetzt, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Roland Berens.
Bielefeld : Aisthesis, 2010. 240 S., englbr., 16,80 €.
978-3-89528-798-5

Aus Anlass des Buchmessenschwerpunktes Argentinien dürfen die Leser in zwei Anthologien mit Quriogas Erzählungen schmökern. Schade nur, daß neun Geschichten nun doppelt vorhanden sind, denn noch längst sind nicht alle der insgesamt 170 Geschichten übersetzt.
Eigentlich paßt zu allen Erzählungen der Titel, den Quiroga für seine Sammlung von 1917 wählte: Cuentos de amor de locura y de muerte (ohne Punkt und Komma); denn in allen seinen Geschichten, auch in den Jugendbüchern, ist von Liebe und Tod, von Gewalt und Wahnsinn und von der unbarmherzigen Natur die Rede (viele seiner besten Geschichten spielen in den Urwäldern der argentinischen Provinz Misiones). Oft sind es Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit, handeln vom plötzlichen Einbruch des Unheimlichen und Bedrohlichen in den Alltag von ganz normalen Leuten. In einigen Geschichten sind Tiere die Protagonisten (wie in der berühmten Erzählung „Anaconda"), wieder andere überraschen durch ihren lakonischen Humor („Liebesdiät").
Den Schwerpunkt der vorliegenden Anthologie „Die Verbannten und andere Erzählungen" bildet die komplette Sammlung Los desterrados von 1926 mit acht Prosastücken und weiteren neun Geschichten aus den Jahren 1907 bis 1935.
Beide Bände bieten eine fesselnde Lektüre. Versprochen!
Noch ein Hinweis: Der Herausgeber und Übersetzer Roland Berens hat 2002 im gleichen Verlag eine lesenswerte Untersuchung zum Thema veröffentlicht: "Narrative Ästhetik bei Horacio Quiroga." (Besprechung in Bücher zu Argentinien 2010, S. 135)
* Quiroga wird im übrigen auch von Literaturgeschichte von Uruguay reklamiert.
Klaus Küpper, BzL

Der Autor:

Quiroga, Horacio Horacio Quiroga wurde am 31.12.1878 in Salto/Uruguay geboren (der Vater war Argentinier).
Er verließ seine Heimat nach einer Reihe persönlicher Schicksalsschläge und lebte eine Zeitlang in Paris. Sieben Jahre verbrachte er anschließend zurückgezogen im Urwald am Ufer des Paraná in Argentinien, wo er auch einen Teil seiner Erzählungen schrieb, die in dieser Region im Grenzgebiet zwischen Paraguay, Brasilien und der argentinischen Provinz Misiones angesiedelt sind. Seinen Unterhalt verdiente er sich vorübergehend als Konsulatsbeamter, Spanischlehrer und Orchideenzüchter. 
Quiroga gilt als einer der Begründer der modernen lateinamerikanischen Literatur und entfaltete seine Meisterschaft vor allem in kurzen Prosaformen. Poe, Maupassant und Kipling hat er selbst als seine wichtigsten Vorbilder benannt.
Verglichen mit anderen Klassikern der lateinamerikanischen Literatur wurde Quiroga schon früh für den deutschen Sprachraum entdeckt. Die erste deutsche Übersetzung einer Sammlung von Erzählungen erschien 1931 und erlebte insgesamt drei Auflagen. 1958 erschien die längere Erzählung „Anaconda" in einer anderen Übersetzung aber erst 1971 brachte der Aufbau-Verlag wieder eine Anthologie mit Erzählungen heraus. Dann dauerte es wieder 15 Jahre bis die nächsten Anthologien erschienen, zum Teil aber in den alten Übersetzungen. (s. dazu: Bibliographie der argentinischen Literatur, S. 345-351)
Quirogan nahm er sich, an Krebs erkrankt, am 18.2.1937 in Buenos Aires das Leben.

Titel:

Die Verbannten und andere Erzählungen
Die Wildnis des Lebens