Quiroga, Horacio: Die Wildnis des Lebens

Quiroga WildnisQuiroga, Horacio: Die Wildnis des Lebens
Gesammelte Erzählungen. Ausgewählt und aus dem Spanischen übersetzt [und Nachwort] von Angelica Ammar.
Frankfurt a. M.: S. Fischer Verlag, 2010. 428 S., geb., 24,95 €.
978-3-10-063102-2

Zum Buchmessenschwerpunkt Argentinien erschienen gleich zwei Anthologien mit Erzählungen von Quiroga.
Schade nur, daß neun Geschichten nun doppelt vorhanden sind, denn noch längst sind nicht alle der insgesamt 170 Geschichten übersetzt.
Eigentlich paßt zu allen Erzählungen der Titel, den Quiroga für seine Sammlung von 1917 wählte: Cuentos de amor de locura y de muerte (ohne Punkt und Komma); denn in allen seinen Geschichten, auch in den Jugendbüchern, ist von Liebe und Tod, von Gewalt und Wahnsinn und von der unbarmherzigen Natur die Rede (viele seiner besten Geschichten spielen in den Urwäldern der argentinischen Provinz Misiones). Oft sind es Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit, handeln vom plötzlichen Einbruch des Unheimlichen und Bedrohlichen in den Alltag von ganz normalen Leuten. In einigen Geschichten sind Tiere die Protagonisten (wie in der berühmten Erzählung „Anaconda"), wieder andere überraschen durch ihren lakonischen Humor („Liebesdiät").
„Die Wildnis des Lebens" bietet mit insgesamt 34 Erzählungen einen Querschnitt aus allen Schaffensperioden des Autors. 
Der Band bietet, wie auch der gleichzeitig erschienene Titel: "Die Verbannten" eine fesselnde Lektüre. Versprochen!
Quiroga wird im übrigen auch von der Literaturgeschichte von Uruguay reklamiert.
Klaus Küpper, BzL

Die Übersetzerin Angelica Ammar, geboren 1972 in München, hat Romanistik und Ethnologie studiert. Sie übersetzt aus dem Spanischen und Französischen (u. a. Texte von Felisberto Hernández, Sergio Pitol, Mario Vargas Llosa, Guillermo Martinez, Gioconda Belli und Laura Alcoba) und hat bisher zwei Romane veröffentlicht. Angelika Ammar lebt in Barcelona.

Der Autor:

Horacio Quiroga wurde am 31.12.1878 in Salto/Uruguay geboren (der Vater war Argentinier).
Er verließ seine Heimat nach einer Reihe persönlicher Schicksalsschläge und lebte eine Zeitlang in Paris. Sieben Jahre verbrachte er anschließend zurückgezogen im Urwald am Ufer des Paraná in Argentinien, wo er auch einen Teil seiner Erzählungen schrieb, die in dieser Region im Grenzgebiet zwischen Paraguay, Brasilien und der argentinischen Provinz Misiones angesiedelt sind. Seinen Unterhalt verdiente er sich vorübergehend als Konsulatsbeamter, Spanischlehrer und Orchideenzüchter. 
Quiroga gilt als einer der Begründer der modernen lateinamerikanischen Literatur und entfaltete seine Meisterschaft vor allem in kurzen Prosaformen. Poe, Maupassant und Kipling hat er selbst als seine wichtigsten Vorbilder benannt.
Verglichen mit anderen Klassikern der lateinamerikanischen Literatur wurde Quiroga schon früh für den deutschen Sprachraum entdeckt. Die erste deutsche Übersetzung einer Sammlung von Erzählungen erschien 1931 und erlebte insgesamt drei Auflagen. 1958 erschien die längere Erzählung „Anaconda" in einer anderen Übersetzung aber erst 1971 brachte der Aufbau-Verlag wieder eine Anthologie mit Erzählungen heraus. Dann dauerte es wieder 15 Jahre bis die nächsten Anthologien erschienen, zum Teil aber in den alten Übersetzungen. (s. dazu: Bibliographie der argentinischen Literatur, S. 345-351)
Quirogan nahm er sich, an Krebs erkrankt, am 18.2.1937 in Buenos Aires das Leben.

Titel:

Die Verbannten und andere Erzählungen
Die Wildnis des Lebens