Piñeiro, Claudia: Die Donnerstagswitwen

Pineiro DonnerstagswitwenPiñeiro, Claudia: Die Donnerstagswitwen
Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Zürich: Unionsverlag, 2012. UT metro 568. 317 S., kt., 10,95 €
O: Las viudas de los jueves.
978-3-293-20568-0

Victoria und Ronie Guevara leben mit ihrem Sohn in „Altos de la Cascada" in der Nähe von Buenos Aires. Die mit einem Zaun umgebene, ca. 300 Häuser umfassende Siedlung hat einen privaten Sicherheitsdienst, einen Golfplatz, Tennisplätze, ein großes Schwimmbad und zwei Klubhäuser. Zutritt haben nur die Lieferanten, Dienstpersonal, Handwerker und ausgewiesene Gäste. Seit Ihr Mann arbeitslos ist, hat Victoria ihr Hobby in ein einträgliches Geschäft verwandelt: sie vermittelt freiwerdende Häuser in der Siedlung und kassiert dafür Provision. Einige der Bewohner, vier Paare, haben sich im Laufe der Jahre näher angefreundet. Die Männer treffen sich jeden Donnerstag zum Abendessen und Kartenspielen und die Ehefrauen, die „Donnerstagswitwen", nutzen die Zeit zum Kinobesuch. Alles scheint geregelt, zufrieden und friedlich in „La Cascada". Bis zu dem Tag, an dem eines Morgens drei tote Männer im Pool der Scaglias schwimmen und es drei „echte" Witwen gibt ...
Claudia Piñero, die übrigens selbst in einer „Country" lebt, beschreibt die Innenwelt dieser Gesellschaft der gehobenen Mittelschicht über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren. Sehr eindringlich und dennoch wie nebenbei und undramatisch sind die kleinen Alltäglichkeiten beschrieben, wie sie nicht nur in diesem Mikrokosmos vorhanden sind: die Schul- und Drogenprobleme der Kinder, der Ehekrach und die Untreue der Männer, Alkoholprobleme, Machismos und latenter Antisemitismus. Ganz langsam, unmerklich fast, werden aber auch in diesem Ghetto allmählich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise spürbar (das Ende des Romans spielt im Jahre 2001). Einige der gutbezahlten Männer verlieren ihren Arbeitsplatz, müssen sich von Hausangestellten, großen Autos und schließlich
von ihren Häusern trennen.
Ein spannender Roman, der die Leserinnen und Leser bis zu seinem überraschenden Ende nicht mehr losläßt.
Klaus Küpper, BzL

Peter Kultzen, geboren am 20.8.1962 in Hamburg, studierte Romanistik und Germanistik in München, Salamanca, Madrid und Berlin. Er lebt als freier Lektor und Übersetzer spanisch- und portugiesischsprachiger Literatur in Berlin. Er übersetzte u. a. Werke von Sonia Maria Cristoff, Martín Kohan, Claudia Piñeiro, Eduardo Halfon und Roberto Bolaño.

Die Autorin:

pineiroclaudiaClaudia Piñeiro wurde 1960 in Buenos Aires geboren.
Nach ihrem Wirtschaftsstudium arbeitete sie als Journalistin.
Sie schrieb Theaterstücke und führte Regie für das Fernsehen. Claudia Piñeiro ist außerdem Autorin von Kinder- und Jugendbüchern.
Bisher erschienen in deutscher Übersetzung die Romane „Die Donnerstagswitwen, „Ganz die Deine", „Elena weiß Bescheid", "Betibú", "Ein Kommunist in Unterhosen" und „Der Riss". "Ein wenig Glück" ist ihre siebte Übersetzung ins Deutsche. Für ihre Arbeiten wurde sie u. a. mit dem Premio Clarín ausgezeichnet.
(Foto: © Alejandra López)

Titel:
Ein wenig Glück