Piñeiro, Claudia: Betibú

pineiro betibuPineiro Betibu TBPiñeiro, Claudia: Betibú
Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen.
Zürich: Unionsverlag, 2013. 343 S., geb., 21,95 €.
O: Betibú. Buenos Aires 2011.
978-3-293-00453-5
Zürich: Unionsverlag, 2014. UT metro 670. 343 S., br., 12,95 €.
978-3-293-20670-0

Im Country Club La Maravillosa wird die Leiche von Pedro Chazarreta entdeckt. Auf den ersten Blick ein Selbstmord, obwohl der Tod durch die aufgeschlitzte Kehle eher auf einen Mord hindeutet.
Jaime Brena war früher bei der Tageszeitung El Tribuno für Kriminalfälle zuständig. Aus nicht näher erläuterten Gründen schreibt er jetzt über gesellschaftliche Themen, denkt über Vorruhestand nach und überlegt gerade, was er mit dem Ergebnis einer Umfrage machen soll, wonach 65% aller weißen Frauen auf dem Rücken schlafen, während 60% der weißen Männer auf dem Bauch schlafen. Da erreicht ihn der Anruf von Kommissar Venturini, der ihn exklusiv über die blutigen Tat in La Maravillosa informiert.
Lorenzo Rinaldi, der Chef von El Tribuno wittert eine sensationelle Story und schickt einen völlig unerfahrenen, aber ehrgeizigen Reporter zum Tatort. Gleichzeitig soll Nurit Iscar, eine durch ihre Kriminalromane bekannte Schriftstellerin, die Aufklärung der Tat mit begleitenden Artikeln ergänzen und aus diesem Grund in La Marvillosa wohnen.
Von dem Ermordeten erfährt man nicht viel: trotz Freispruch ist die öffentliche Meinung immer noch der Ansicht, dass er für den Tod seiner Frau verantwortlich ist, die man vor drei Jahren gleichfalls mit durchschnittener Kehle aufgefunden hatte.
Im weiteren Fortgang des Romans werden noch einige mysteriöse Todesfälle und später auch weitere Morde geschildert. Alle Opfer sind Freunde aus einer Clique um Pedro Chazarreta und als Iscar schließlich beim vermuteten Täter Gandolfini auftaucht und ihm ihre Vermutungen präsentiert, sagt der ihr nur lakonisch: „Der Mörder ist der, der am Ende übrig bleib, der, den niemand hat umbringen können."
Und als dann wenig später auch Gandolfini ermordet wird, bleiben die drei Amateurdetektive Brena, Iscar und der „Junge" ratlos zurück.
Der „Junge" hat von Brena viel gelernt und wird seine eigene Agentur gründen; Jaime Brena gesteht Nurit Iscar, dass er den Namen Betibú für sie erfunden hat, damals, als er einmal sehr verliebt in sie gewesen ist (und immer noch ist).
Der Schluss der Romans soll wohl ein wenig versöhnen mit dem unbefriedigen Ende und mit den endlosen, satirisch gemeinten aber schließlich langweilenden Schilderungen über die bewachten Zugänge zu den Country Clubs. Eine um viele weitere Längen und Füllmaterial gekürzte Fassung hätte aus der daher oft konstruiert wirkenden Geschichte einen spannenden Roman gemacht.
Im übrigen: Der Name Betibú geht auf die us-amerikanische Comic-Figur und spätere Filmfigur Betty Boop zurück. Der Roman wurde inzwischen verfilmt.
Klaus Küpper, BzL

Peter Kultzen, geboren am 20.8.1962 in Hamburg, studierte Romanistik und Germanistik in München, Salamanca, Madrid und Berlin. Er lebt als freier Lektor und Übersetzer spanisch- und portugiesischsprachiger Literatur in Berlin. Er übersetzte u. a. Werke von Sonia Maria Cristoff, Martín Kohan, Claudia Piñeiro, Eduardo Halfon und Roberto Bolaño.

Die Autorin:

pineiroclaudiaClaudia Piñeiro wurde 1960 in Buenos Aires geboren.
Nach ihrem Wirtschaftsstudium arbeitete sie als Journalistin.
Sie schrieb Theaterstücke und führte Regie für das Fernsehen. Claudia Piñeiro ist außerdem Autorin von Kinder- und Jugendbüchern.
Bisher erschienen in deutscher Übersetzung die Romane „Die Donnerstagswitwen, „Ganz die Deine", „Elena weiß Bescheid", "Betibú", "Ein Kommunist in Unterhosen" und „Der Riss". "Ein wenig Glück" ist ihre siebte Übersetzung ins Deutsche. Für ihre Arbeiten wurde sie u. a. mit dem Premio Clarín ausgezeichnet.
(Foto: © Alejandra López)

Titel:
Ein wenig Glück